Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Clavierstimmens sowie Erfahrungen und Ansichten bezüglich Clavierhandel und Clavierbau
Person:
Kuhn-Kelly, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39778/39/
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Befilzungsmaschine kommt, erzeugt er einen Ton, der nicht 
zum Hören ist und zuförderst wird ihm in der Kegel die 
„Haut über die Ohren gezogen“ werden, was mit der 
Glaspapierfeile geschieht. Dadurch ist er bereits etwas 
raisonnabler geworden, aber immerhin noch der rauhe Bursche, 
ohne äusseren und inneren Schliff, und seine eigentliche 
„Erziehung“ beginnt erst jetzt. Es handelt sich nun 
zunächst darum, seinen Scheitel, also die Berührungsfläche 
mit den Saiten, so zu präpariren, dass dem Ton die an¬ 
fängliche Schärfe genommen wird, was man dadurch erzielt, 
indem man in tangentialer Richtung mit einem 1—5nad- 
ligen Instrumente so oft in denselben hineinsticht, bis die 
gewünschte Weichheit annähernd, nicht ganz erzielt ist. 
(Die nachfolgende Operation ergänzt das Fehlende.) Auch 
mit seitwärts schief geführten Nadelstichen von rechts und 
links kann der Zweck erreicht werden. Man soll aber mit 
den Nadeln nicht balanciren, ähnlich wie es der Gärtner 
mit seinem Setzstocke macht, wenn er den Setzling in die 
Erde zurecht drückt. Durch ein derartiges Hin- und Her¬ 
wiegen mit den Nadeln (was wir auch gesehen und selbst 
probirt haben) wird zwar der vordere Scheiteltheil weich 
genug, aber ein Clavier, dessen Hämmer auf diese Weise 
gelockert sind, wird nur weich klingen, aber keinen runden 
Ton haben und bald schneidend scharf werden, weil der 
Theil des Filzes direct hinter den letzten Stichen seine 
Härte nicht verloren hat. Wenn sich nun die Saiten durch 
dieses weiche Polster hindurchgearbeitet haben, gelangen sie 
auf harten Grund und dann ist es mit dem Wohlklang des 
Tones aus und vorbei. Wollen wir weichen, runden 
und angenehmen Ton zugleich erzeugen, der sich mög¬ 
lichst lange gleich bleibt, so darf nicht nur der vordere 
Theil des Scheitels vorsichtig gelockert werden, sondern 
auch bis zu einem gewissen Grad der innere Theil gegen 
den Unterfilz, sein Kern. Würde man nur mit tangen¬ 
tialen Stichen tiefer gegen denselben Vordringen, so würde 
dem Tone zu sehr die Kraft genommen und wir hätten 
zwar wohl ein weicliklingendes, nicht zugleich aber ein 
kräftigklingendes Clavier. Damit die Lockerung vom 
Scheitel gegen den Kern des Hammers allmälig abnehme, 
die weiche und die harte Stelle nicht dicht aneinander
        

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