Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Clavierstimmens sowie Erfahrungen und Ansichten bezüglich Clavierhandel und Clavierbau
Person:
Kuhn-Kelly, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39778/31/
31 
oder Fett „wunderbar“ zu curiren versteht, sogar die 
Messingplättchen löst, welche die Hammerachsen fest halten, 
oder irgend einen andern genialen Streich ausübt und da¬ 
mit den Patienten gründlich ruinirt. 
Das ist eine böse Geschichte und erfordert, wenu’s 
recht und gut gemacht sein soll, viel Arbeit und Geduld. 
Ist die Fütterung der Drehpunkte aufgequollen, haben die 
Achsen ihre Politur verloren oder gehen sie zähe, so kann, 
wie der Fachmann weiss, dadurch geholfen werden, dass 
man die Fütterung mittelst einer mehrkantigen cylindrischen 
Aale sorgfältig und leicht ausreibt, dadurch den klebrigen 
Ansatz entfernt, und dann neue Achsen von entsprechender 
Dicke einsetzt, oder noch besser, gerade neu füttert. 
Es giebt aber noch einen anderen, weniger zeitrauben¬ 
den Weg, womit man das leichte Gehen der Hämmer und 
anderer Theile, die Achsenbewegung haben, wieder bewerk¬ 
stelligen kann, falls die Ursache des Zähegehens in ange¬ 
laufenen Achsen zu suchen ist und wir wollen, ebenfalls 
auf die Gefahr hin, „beachselzuckt“ zu werden, davon 
reden. Versuche, die wir anfänglich und nur an alten In¬ 
strumenten etwas ängstlicli Vornahmen, haben uns von der 
Zweckmässigkeit völlig überzeugt. 
Mit einer Mischung von Benzin mit Petroleum befeuch¬ 
ten wir die Achsenfütterung, und sofort laufen die Achsen 
mit der früheren Leichtigkeit wieder. Diese Flüssigkeit 
übt eine lösende Wirkung auf die harzigen Theile der Achse 
und der Fütterung aus und sickert in diese hinein. Nach 
einigen Tagen ist sie verflüchtigt, die Leichtigkeit der 
Aeksenbewegung aber bleibt. 
Um ganz sicher zu sein, ob diese Lösung etwa die 
Politur der Achsen beschädige oder sogar das Metall ari- 
greife, haben wir solche nach Verlauf von mehreren Mo¬ 
naten mikroskopisch untersucht und nicht die Spur von 
Zersetzung entdeckt. Das Mittel (vielleicht noch Manchem 
unbekannt) ist also probat und beseitigt ohne Schaden mit 
verhältnissmässig wenig Arbeit den Uebelstand. So stö¬ 
rend zähe gehende Achsen sind, so schlimm ist das Gegen- 
theil, wenn sie zu locker in der Hülle sitzen, denn nicht 
nur w'ackeln dann die Hämmer nach allen Himmelsgegen¬ 
den und patschen beim Anschlägen, sondern die Scheitel
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.