Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Clavierstimmens sowie Erfahrungen und Ansichten bezüglich Clavierhandel und Clavierbau
Person:
Kuhn-Kelly, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39778/24/
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Ueber den festen Aufbau des hinteren Theiles der 
Claves durch „Brücken“, „Wippen“, „Cylinder“ u. dgl., 
was in vielen Mechaniken vorkommt, möchten wir bemer¬ 
ken, dass uns derselbe um so mehr anwidert, je höher er 
ist, und warum? Weil mit dessen zunehmender Höhe die 
Reibung am Berührungspunkte mit dem Gliede (Stösser- 
brticke, auch kurzweg Hebel genannt), auf welchem die 
Stosszunge angebracht ist, grösser wird. 
Natürlich. Der hintere Theil einer Clavis bildet den 
Radius eines Kreises, resp. Kreisausschnittes (der vordere be¬ 
greiflich auch), dessen Mittelpunkt sich im Waagebalkenstifte 
befindet. Durch den Niederdruck der Taste macht der An¬ 
griffspunkt (überhaupt jeder Punkt) eine peripherische Be¬ 
wegung nach oben. 
Dieser Punkt nun, bei welchem der Aufbau angreift 
resp. stösst, bewegt sich demnach nicht genau vertical auf¬ 
wärts, sondern macht eine, allerdings kleine, kreisförmige 
Bewegung, also nach oben und gleichzeitig etwas nach vorn. 
Dadurch wird nun der Angriffspunkt zu einer An¬ 
griffslinie, die um so länger wird, je höher der feststehende 
Aufbau auf der Clavis ist, und da derselbe in der Regel 
eine senkrechte Stellung hat (z. B, bei Cylindern), so be¬ 
schreibt der oberste Punkt eine grössere Peripherie, als der 
senkrecht unter ihm liegende Punkt auf der Clavis selbst 
und weicht daher um so mehr von der vertikal aufsteigen- 
den Richtung ab, je höher er über der Clavis steht, und 
desto länger wird die Reibungsfläche. Diese Reibung kann 
nicht nur Zischen, Girren, Pfeifen verursachen, sondern 
nutzt auch den Tuch- oder Filzbesatz vor der Zeit ab und 
veranlasst Stösser- oder Schnabelluft. 
Je höher ein Pianino ist, desto höher kommen natür¬ 
lich die Hämmer zu stehen und folglich müssen die soge¬ 
nannten Stösserbrücken Verlängerung nach unten durch Ab¬ 
strakten bekommen, oder die Claves einen Aufbau erhalten, 
auch können sich beide auf dem Wege begegnen. Durch 
jene Verlängerung nun, die entweder hängt, oder in Char- 
nieren geht, senkrechte Stellung und daher auch vertikale 
Bewegung haben kann, ist die Möglichkeit geboten, dass 
der Angriffspunkt sich ganz unten auf der Clavis befindet. 
Beim Niederdruck der Tasten ist dadurch die Reibung am
        

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