Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Clavierstimmens sowie Erfahrungen und Ansichten bezüglich Clavierhandel und Clavierbau
Person:
Kuhn-Kelly, J.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39778/23/
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egalisirt, dass er in dem Momente spürbar wird, wenn 
die Auslösung gerade stattgefunden hat, lässt der andere 
die Taste dann noch einen kleineren oder grösseren Weg 
machen, bis sie zum Aufliegen kommt. Beide Manieren haben 
ihre Vor- und Nachtheile. Im ersten Falle haben die Häm¬ 
mer etwas weniger Wucht beim Anschläge, aber die Spiel¬ 
art ist flüssiger, sanfter; hingegen ist nicht ausgeschlossen, 
dass, wenn der Auflagestoff (die Muscheln) in Folge Tem- 
paraturwechsel oder Feuchtigkeit aufquillt, die Auslösung 
sich dann nicht immer sicher vollzieht und die Hämmer 
an den Saiten tanzen, was höchst unangenehm ist. Unter 
normalen Verhältnissen wird die Spielart sich aber nur in 
so weit verändern, als der Auflagestoff mit der Zeit etwas 
zusammengepresst und der Nachdruck dadurch tiefer wer¬ 
den kann. 
Im anderen Falle hingegen, also bei tiefem Nach¬ 
druck an neuen Instrumenten, sind eigentliche Störungen 
in der Auslösung weniger zu befürchten, jedoch hat die 
feinfühlige Hand des Spielers die Empfindung eines gewissen 
„Knickens“ in den Fingerspitzen, welches dann noch 
spürbarer wird, wenn die Hammernuss, da wo der Stösser 
angreift, mehr oder weniger scharfwinklig ist und das kleine 
Filzstückchen, auf welchem derselbe ruht, zudem noch etwas 
tief liegt. Der Spielende gleicht dem Wanderer, der über 
Geröll hinschreitet, Es ist ganz selbstverständlich, dass 
dieser an und für sich tiefe Nachdruck mit den Jahren 
aus oben angeführtem Grunde noch tiefer und geradezu 
unausstehlich werden kann. 
Das Richtige liegt wohl in der Mitte. Das heisst, wenn 
die Auslösung sich vollzogen hat, so mag die Taste noch 
ein ganz kleines Stückchen Weg zurücklegen, bis sie zum 
Aufliegen auf die Muschel, resp. hintere Nachdruckleiste 
kommt. Wie klein oder wie gross dieser Weg sein soll, 
lässt sich nicht mathematisch genau bestimmen und muss 
dem Gefühl des Claviermachers überlassen bleiben. Es hängt 
auch keine ganze Welt davon ab und nicht 2 Procent aller 
Spielenden sind sich der Sache klar bewusst. Bei der fach¬ 
männischen Benrtheilung eines neuen Instrumentes darf aber 
dieser Punkt seiner Wichtigkeit halber nicht ausser Acht 
gelassen werden.
        

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