Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Klavierstimmens sowie das Klavier und seine Behandlung
Person:
Anonymous
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39777/28/
28 
Filzes etwas ein, welche Anpassung übrigens jeder Spieler 
unbewusst selbst besorgt. Nachdem der Filz leicht abgefeilt 
ist, wird das Pelzchen (zum Zweck des Pianospiels) auf den 
Filzscheitel aufgestochen. Dasselbe muss ganz gleichmässig 
wie mit der Maschine ausgeführt sein. (Im Diskant wird alles 
Stupfen möglichst reduziert, um den Klang nicht zu beein¬ 
trächtigen). Das Pelzchen wird dadurch hergestellt, indem 
man 4 oder mehr Nadeln in ein festes Fleft befestigt, aus 
welchem dieselben nur 1 mm hervorstehen dürfen. Dann 
wird jeder einzelne Scheitel so lange damit gestupft, bis 
das weiche Pelzchen fühlbar ist, — was tiefer als 1 mm 
geht — benimmt den Toni 
Nun wird probiert: d. h. man schlägt die fünf Finger 
der rechten Hand nacheinander mit ganz gleichmässigem 
starkem Anschlag auf und ab durch die ganze Klaviatur (von 
der Mitte angefangen) und hört sehr aufmerksam auf Ton 
und Anschlag. Diejenigen Hammerköpfe welche noch gellende 
Töne beim Anschlag der Saiten geben, erhalten nun mit 
einer langen Nadel (mehrere Nadeln brechen zu leicht ab) tiefe 
Stiche in den Filz quer zur Holzkernspitze, also direkt über 
dieser, durch den ganzen Filz, dabei muss aber der Filz- 
Scheitel geschont werden. Dies geschieht solange bis eine 
Gleichheit der Register erreicht ist. Tiefe senkrechte Stiche 
von oben in den Filzscheitel nehmen mit Sicherheit den 
Umfang des Tones und ist grosse Uebung und feines Gehör 
erforderlich, um hier die richtige Fertigkeit zu erhalten. 
Sind einzelne Hämmer zu weich geworden, so feilt man 
dieselben wieder mit Glaspapier ab; sind welche hoffnungslos 
verstupft, so ist das kürzeste, ein Reserveglied neu einzusetzen. 
Dünne Resonanzböden, schwacher Bezug und kleine harte 
Hammerköpfe schreien am meisten! Man muss sich also 
beim intonieren nach allen Verhältnissen richten. * 
* In neuester Zeit findet zum Intonieren eine kleine Maschine, sogenannter 
Behringer’scher Intonier-Apparat, häufig Verwendung. Diese Maschine ist für 
Flügel wie Pianinohämmer verwendbar und die Erfolge beweisen, dass die heikle 
Intonationsfrage eine praktische und glückliche Lösung hiermit gefunden hat. 
Die zeitraubende Arbeit des Intonierens oder Filzauflockerns mittels Nadeln 
durch die Hand, was oft in unvollkommener Weise ausgeführt wird, lässt sich 
mit genanntem Apparate sehr vereinfachen, abgesehen davon, dass derselbe 
viel gleichmässiger arbeitet. Die Handhabung ist eine durchaus einfache. 
Anmerkung: Diese Intonierapparate können durch die Firma 
C. F. Schmitt, Heilbronn a. N. bezogen werden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.