Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Beziehungen der Gemütsbewegungen und Gefühle zu Störungen der Sprache
Person:
Gutzmann, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39776/45/
Beziehungen der Gemütsbewegungen und Gefühle zu Störungen der Sprache. 303 
Hand gehalten. Weil dies aber mannigfache Unbequemlichkeiten hat, 
habe ich die ziemlich schweren drei Kapseln äquilibriert aufgehängt, 
so wie Sie es an dem Apparat hier sehen. Die Hand wird, ganz 
ähnlich wie bei dem Sommer sch en Apparate, zwischen die drei 
Kapseln gesteckt, der Ellenbogen ruht auf der Unterlage eines 
langen Gurtbandes, und die Bewegungen werden, wie Sie es an den 
Schreibhebeln verfolgen können, durch Luftleitung auf die drei 
Kapseln sehr gut übertragen. 
Von den vielen Versuchen, die ich mit diesem Apparat ge¬ 
macht habe, könnte ich Ihnen natürlich eine Reihe von Kurven 
vorlegen. Ich möchte aber aus denselben Gründen darauf verzichten, 
die ich oben angegeben habe. Es läßt sich vorläufig etwas Einheit¬ 
liches nicht daraus schließen. Der Apparat, den ich hier zeige, 
dürfte aber für recht viele andere Untersuchungspläne willkommen 
sein, und deswegen glaubte ich Ihnen denselben hier wenigstens 
als einen kleinen Ersatz für den mangelhaften dritten Teil meines 
Referates vorstellen zu dürfen. 
* * 
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Auf viele Einzelheiten habe ich in dem Hauptteile meines Re¬ 
ferates verzichten müssen, weil dies zu weit geführt hätte und die 
mir gestattete Zeit bei weitem überschritten hätte. Aber das Ge¬ 
sagte zeigt Ihnen, ein wie großes Interesse dieses ungeheure Tat¬ 
sachenmaterial für den Psychologen haben muß. 
Diskussion. 
Herr Jerusalem: Von besonderer Bedeutung scheint mir der 
Hinweis auf die Bedeutung der Differenzierung der Gefühle, be¬ 
sonders der Lustgefühle für das Hervortreten der Sprache. Ich 
habe in meiner Monographie über Laura Bridgman (Wien 1891) 
daraus die Entstehung der von dieser Taub-Blinden gebildeten 
Namen für einzelne Personen erklären können. Ebenso finde ich 
die Bezeichnung der Sprache als Ventil sehr treffend, was be¬ 
sonders deutlich in der Erziehung der taub- und blindgeborenen 
Marie Heurlin deutlich hervortritt. Eür die Taubstummen scheint 
mir die künstliche Fingersprache und die natürliche Gebärden¬ 
sprache angemessener zu sein, als die jetzt so allgemein und so 
ausschließlich gepflegte Lautsprache. 
Herr Dittrich: Zwischen der starken Betonung des Faktors 
„Sprachverständnis“ in den speziellen Ausführungen des Herrn 
Gutzmann und seiner Sprachdefinition, die den Hauptakzent 
darauf legt, daß die Sprache Ausdrucksbewegung, also wesentlich
        

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