Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Beziehungen der Gemütsbewegungen und Gefühle zu Störungen der Sprache
Person:
Gutzmann, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39776/46/
304 Hermann Gutzmann. Beziehungen der Gemütsbewegungen und Gefühle usw. 
nur Funktion des Sprechenden, nicht auch des Angesprochenen 
sei, besteht eine Diskrepanz, deren Beseitigung methodologisch 
wünschenswert ist: Faßt man die Sprache nicht nur als Ausdrucks-, 
sondern wesentlich auch als Eindrucksleistung, so ergeben sich vom 
allgemein sprachwissenschaftlichen Standpunkt aus Fragestellungen, 
die von jener andern Definition aus nicht zu gewinnen sind, und 
diese führen sicher auch in das Gebiet des Verhältnisses der Ge¬ 
mütsbewegungen zu den Sprachstörungen so weit hinein, daß man 
bei prinzipieller Annahme der Ausdrucks-Eindrueks-Definition der 
Sprache auch hier neue und fruchtbringende Problemstellungen zu 
erwarten hat. 
Herr Gutzmann: Herrn Jerusalem darf ich wohl darauf hin- 
weisen, daß ich ausdrücklich hervorhob, daß ich eine völlige Unter¬ 
drückung der natürlichen Gebärde schon deshalb nicht das Wort reden 
kann, weil wir sie ja alle mehr oder weniger benutzen. Auf die soziale 
Seite der Sprache einzugehen, hatte ich bei meinem Thema keine 
Veranlassung, zumal wir auch sprachliche Ausdrucksbewegungen 
oft genug finden, bei denen die Absicht der Mitteilung fehlt, ja 
die Mitteilung sogar von seiten des Mitteilenden ungewünscht ist. 
Daß ich „unwillkürlich“ also gleichsam, ohne es zu wissen, die 
soziale Seite gelegentlich angeschlagen hätte, möchte ich doch be¬ 
streiten. Daß die Sprache das soziale Band der Menschheit ist, 
weiß ich und bin mir dessen voll bewußt, habe auch oft genug 
darüber geschrieben. Es handelt sich hier doch wohl um ein 
Mißverständnis des Herrn Dittrich, ebenso wie bei seiner Ansicht, 
daß ich die von mir ausdrücklich so bezeichneten reflektorischen 
Lallworte als sinnenthaltende Sprache bezeichnet hätte. Sprache 
werden sie, wie ich wörtlich gesagt habe, erst durch die Unter¬ 
legung des Sinnes seitens der Umgebung. Ich verstehe nicht 
recht, wie Herr Dittrich aus meinen Worten das Gegenteil hat 
entnehmen können, um dann eine Ansicht auszusprechen, die wort¬ 
wörtlich mit dem von mir Vorgetragenen übereinstimmt.
        

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