Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Beziehungen der Gemütsbewegungen und Gefühle zu Störungen der Sprache
Person:
Gutzmann, Hermann
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39776/12/
270 
Hermann Gutzmann. 
mal z. B, zwischen Melodie und Text bestehen, ist bisher noch 
wenig geklärt, auch liegt bisher nur wenig Material vor, das eine 
Erklärung dieser Parallelbeziehungen zu den Lalopathien ermöglichte 
(Buttersack). Nimmt man meine Allgemeinbezeichnung für diese 
zweite Gruppe, Phonopathien oder Melodopathien, Störungen der 
Tonsprache, an, so lassen sich die Unterabteilungen nach dem so¬ 
eben bei den Mimopathien benutzten Schema leicht gruppieren: 
Dysmusien (Amusie, Hypomusie, motorische und sensorische, Pa- 
ramusie, Hypermusie); Störungen der Tonschrift: musikalische Dys- 
graphie („Dysnotation“); sensorische Störungen dieser Fixation: 
musikalische Dyslexie. 
Besonders gruppieren müßte man unter Umständen die Melodo¬ 
pathien, je nach dem musikalischen Instrument, um das es sich 
handelt. An erster Stelle steht natürlich die höchste Tonsprache, 
der Gesang; so fallen alle sogenannten funktionellen Störungen 
der Stimme auch in diese Gruppe hinein, unter ihnen die mannig¬ 
fachen habituellen oder beruflichen Stimmstörungen, die verschie¬ 
denen Formen der Stimmschwäche, der Phonasthenie usw. Bezieht 
sich die motorische Dysmusie auf die Handhabung bestimmter 
Instrumente, so nähert sie sich wieder außerordentlich den Apra¬ 
xien im engeren Sinne, den Störungen der transitiven Handlungen. 
Um für alle diese Einzelheiten eine völlig befriedigende syn¬ 
optische Gliederung zu schaffen, ist unsere klinische Ausbeute 
noch bei weitem zu gering. 
3. Lalopathien, Störungen der Lautsprache. 
Endlich gelangen wir zu der umfangreichsten und größten 
Gruppe der Logopathien, den Lalopathien. 
Ihre Einteilung in die beiden Gruppen Dysphasien und Dys¬ 
arthrien ist wohl schon in den sechziger Jahren von E. v. Leyden 
begründet, wenn auch sorgsame Untersuchung häufig ergibt, daß 
dysarthrische Erscheinungen fast untrennbar mit dysphasischen (und 
umgekehrt) verknüpft sind. Es liegt eben an der Fülle der Er¬ 
scheinungen und an der durch das menschliche Individuum selbst 
bedingten Yariabilität ihrer Verknüpfung, daß eine synoptische Ein¬ 
teilung der sprachlichen Krankheitssymptome fast niemals eine ein¬ 
fache Einreihung des Patienten unter eine ganz bestimmte, eng 
umgrenzte Rubrik gestattet. 
In diesem Sinne müssen auch die folgenden Auseinander¬ 
setzungen aufgefaßt werden. Im übrigen schließen sie sich an das
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.