Bauhaus-Universität Weimar

Über die Lokalisation von Scballreizen. 
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zeitig an verschiedenen Stellen gereizt wird. Aber so wenig wird 
James in seinem Glauben an ein ursprüngliches Quale der Empfin¬ 
dungen dadurch irre gemacht, daß er lieber die Resonanzhypothese 
opfern möchte, als jene Folgerung seines Prinzips preisgeben (1887, 
137). Näher berührt sich mit der Anschauung Stumpfs Sully 
(1884, 215), der aus der Unterscheidung der Töne beider Ohren 
auf einen quasi-lokalen Unterschied schließt. Nur wenige spätere 
finden wir auf der Spur dieses Gedankens. Münsterberg (1889, 41) \ 
glaubt von einem Schallraum ebenso sprechen zu sollen wie man 
von einem Tast- oder Gesichtsraum zu sprechen gewohnt ist: zugleich 
ein Beispiel dafür, daß man nicht Nativist zu sein braucht, um 
selbständige Bestandteile der Schallokalisation anerkennen zu können. 
Ich finde eine verwandte Anschauung auch bei Jo dl (1896, 226). 
Die Gehörsempfindungen werden in einen Schallraum projiziert, den 
man sich als eine das Ich umgebende Kugel von unbestimmt großem 
Radius denken kann. Schließlich hat sich Pierce (67) für die 
selbständige Grundlage des Schallraums entschieden (vgl. S. 224). 
Wir werden zahlreiche unselbständige Züge in den räumlichen 
Gohörswahrnehmungen kennen lernen, daneben auch einzelne, die für ; 
einen selbständigen Charakter zeugen. Es handelt sich aber nicht i 
darum, Fälle der einen Art gegen Fälle der anderen Art abzuwägen: 
ein einziges mit Sicherheit festgestelltes räumliches Motiv, das den 
echten Charakter der Selbständigkeit hat, würde die Lehre von dem 
unselbständigen Charakter der räumlichen Gehörswahrnehmungen zu 
Fall bringen. Unter diesen Gesichtspunkt rückt die nächste all¬ 
gemeine Frage, wie es sich mit den ursprünglich räumlichen Eigen¬ 
schaften der Töne selbst verhalte. 
c) Die „Ausdehnung“ der Töne. Nach der traditionellen 
Ansicht, daß die Eigentümlichkeiten des einfachen Tones in den 
beiden Merkmalen Höhe und Stärke erschöpft seien, kann die Aus¬ 
dehnung oder das Volumen nur eine sekundäre Eigenschaft darstellen. 
Wir lassen darum zunächst die Vertreter dieser Anschauung zu 
Worte kommen: Damit soll aber weder gesagt sein, daß sie sich 
von dem gleichen Motiv leiten ließen, noch daß jene Voraussetzung 
dem gegenwärtigen Stande der psychologischen Akustik entspräche. 
Stumpf hat es anerkannt (1873, 209, 299 und 1883, 213, 207 ff.), 
daß den tiefen Tönen in der Vorstellung eine größere Ausdehnung 
zukommt. Dies ist aber nicht eine den Tönen immanente Ausdehnung, 
“sondern rührt aus verschiedenartigen Assoziationen her. Auch Külpe 
(211, 388/’.) läßt das Volumen der Töne aus räumlichen Assozia-
        

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