Bauhaus-Universität Weimar

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Otto Klemm. 
stellte sich aber keine mittlere Lokalisation ein, sondern der vor- 
f dere Reiz herrschte vor. Erweitert wurde dies von Matsumoto 
; {54) zu der Regel, daß bei unsymmetrischer Lage der Schallquellen, 
; z. B. oben und rechts, die Lokalisation nach der Mitte zwischen den 
: wahren Stellen des Schalls erfolgt. Für Reize, die beide auf der 
linken oder der rechten Hälfte der Horizontalebene gelegen sind, 
konnte Pierce {67, 60ff.) häufig eine solche mittlere Lokalisation 
{ bestätigen, lagen sie aber in der Ti’ansversalebene, so erfolgte die 
: subjektive Verlegung meist in die Horizontalebene, gemäß dem In- 
| tensitätsverhältnis. 
\ Die zahlreichen speziellen Angaben von Urbantschitsch 
lassen eine Einreihung in die mit Sicherheit bekannten Tatsachen 
deswegen nicht immer zu, weil sich die individuellen Eigenschaften 
des einzelnen Falls nicht von den allgemeinen scheiden lassen. Ich 
nenne deswegen nur einige. Häufig beobachtete er {29; 232,126) 
für jeden Ton ein eigenes Hörfeld. Der tiefste Ton lag meist oben 
oder._hinten, der höchste vorn oder unten. Ein solches subjektives 
Hörfeld, das sich mit dem Kopfe dreht,"'setzte Urbantschitsch 
{232, 36) auch bei einer Patientin voraus, die alle tiefen Töne 
stets hinter ihrem Kopfe hörte. Ferner können zwei Töne, deren 
monotische Felder sich decken, diotisch ganz verschiedene Felder 
haben'(?.')). ' Endlich hat er {39) Verschiebungen des subjektiven 
Hörfeldes unter Einwirkung von Farben beobachtet. 
d) Einfluß der Phasenunterschiede. Die letzte und viel¬ 
leicht interessanteste Bedingung, unter der das subjektive Hörfeld 
steht, ist der Phasenunterschied zwischen den Erregungen in. den 
beiden OhrënT Als er sich die Frage vorlegte, ob eine Sympathie 
zwischen den beiden Gehörnerven bestehe, geriet Seebeck (1846, 
122) darauf, mit einer Doppelsirene den beiden Ohren denselben 
Ton entweder in gleicher Phase oder in entgegengesetzter zuzuleiten. 
Es machte nun keinen Unterschied für den auf diese Weise mit 
beiden Ohren vernommenen Ton, ob die beiden Trommelfelle gleich 
oder entgegengesetzt schwangen. Genauer sind diese Erscheinun¬ 
gen erst von Thompson (1878, 21) beobachtet worden. Schwangen 
J die Membranen zweier vor den beiden Ohren angebrachten Tele¬ 
’s phone in gleicher Phase, so wurde der Schall gewöhnlich in die 
| beiden Ohren lokalisiert, bei entgegengesetzter Phase dagegen ins 
Hinterhaupt. Für einen Stimmgabelton, der den beiden Ohren durch 
: verschieden lange Leitungen zugeführt wurde, galt dasselbe. Bei 
‘ irgend einer beliebigen Phasendifferenz aber wurde der Schall teils
        

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