Bauhaus-Universität Weimar

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Otto Klemm. 
tauschungen bei künstlich verändertem Verhältnis der Hörschärfe 
Diese Fälle sind denen der frischen Schwerhörigkeit verwandt, und 
oft sind die entsprechenden Lokalisationstäuschungen beobachtet 
worden. Das Ticken einer Uhr in der Sagittalebene rückt schein¬ 
bar aus dieser heraus nach der Seite des offenen Ohres hin (Po7 
itzer, 12), auch kommen hierbei die sonst höchst seltenen Ver¬ 
wechslungen zwischen rechts und links vor.(Preyer 36). Im 
allgemeinen nimmt die Lokalisationsschärfe bei künstlichem Aus¬ 
schluß des einen Ohres beträchtlich ab, so bei Münsterberg (41) 
Ikenberry und Shutt (63), auch Starch (96), und wird na¬ 
mentlich im hinteren Quadranten der verschlossenen Seite sehr 
lern (Bloch, 48). Dabei fand aber Münsterberg keine Tendenz 
den Schall nach dem offenen Ohre hin zu verlegen. Heuere Unter¬ 
suchungen machen es wahrscheinlich, daß künstliche Schwerhörig¬ 
keit die Kiehtungsauffassung nicht immer in dem Sinne beeinflußt 
wie man es, die Veränderung des Intensitätsverhältnisses für den 
allein entscheidenden Faktor haltend, vorausgesagt hat. Bei Mün- 
nieh (100) zog die Verstopfung des eines Ohres mit Watte keine 
deutliche Verschiebung der Medianebene nach sich. Brachte man 
aller einen Pappdeckel, zwischen Schallquelle und Vp.^sV'wurden' 
die Lokalisationen viel ungenauer und die Verschiebung nach dem 
freien Ohre wuchs. Münnich bringt diese Erscheinung mit dem 
Wegfall „sensitiver Empfindungen“ in Zusammenhang, auf die auch 
die Minderung der Lokalisationsschärfe bei der Umwicklung des 
Kopfes mit Camcricbinden hinweisen soll. Ziemlich unbestimmt 
waren die Eesultate Dunlaps (97), dessen Vp. die scheinbare 
Schallrichtung mit dem Arm oder auf einer Karte angaben. Hur 
die Heigung bei Verschluß des einen Ohres nach dem anderen hin 
zu lokalisieren, Heß sich feststellen. Eine gleichmäßige Verschie¬ 
bung der Medianebene fanden Ferree und Collins (106). Die 
künstlich hervorgebrachte Änderung der Hörschärfe bewirkte eine 
stärkere Abweichung der scheinbaren Medianebene als die von Hatur 
bestehende. In einem Falle war das Verhältnis der Hörschärfe 
7 3>8 Uüd die Verschiebung = 34,6 °. Dies erklärt sich ohne weiteres 
daraus, daß bei einem dauernden Unterschied der Hörschärfen 
eine allmähliche Anpassung eintritt. Eine hieraus sofort entsprin¬ 
gende Folgerung wurde durch die Versuche schön bestätigt- Um 
nämHch bei verschiedener Empfindlichkeit die Lage der Median¬ 
ebene zu korrigieren, mußte man nicht die gleiche Empfindlichkeit 
beider Ohren, sondern ein zwischenliegendes Verhältnis künstlich
        

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