Bauhaus-Universität Weimar

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Otto (Klemm. 
jene Kriterien, nach denen die Unterscheidung zwischen vorn, oben 
oder hinten ausgeführt wurde; und so sicher hing die Lokalisation 
an diesen Merkmalen, daß künstliche Variationen der Klangfarbe 
oder der Schallstärke zu den entsprechenden Verwechslungen führte. 
Die Verwechslungen von Sichtungen außerhalb der Median¬ 
ebene weisen zum Teil auf die bevorzugten Verwechslungen in der 
Medianebene zurück. Rayleigh (1877, 14) erwartete, da das In¬ 
tensitätsverhältnis auch außerhalb der Medianebene für mehrere 
Orte übereinstimmen könne, Verwechslungen z. B. zwischen rechts 
■vorn und rechts hinten, und wies sie mit angeschlagenen Stimm¬ 
gabeln nach. Preyer (36) und Arnheim (37) sahen die haupt¬ 
sächlichen Verwechslungen in annähernd derselben Häufigkeit in 
der linken und rechten Hemisphäre wiederkehren. Niemals aber 
wurden rechts und links miteinander verwechselt. Die Richtungen 
vorn und unten traten ähnlich wie innerhalb der Medianebene 
zurück. 
Dies ist stark zusammengedrängt und von der Verflechtung 
mit Theorien losgelöst das Wichtigste, was über die Auffassung der 
Schallrichtung bei normalem Hören experimentell gefunden worden 
ist. Die auffallendsten Erscheinungen sind die folgenden drei: die 
Abhängigkeit der Lokalisationsschärfe von der Qualität des Schall¬ 
eindrucks, das eigentümlich gesetzmäßige Verhalten der Richtungs¬ 
schwelle und die starken Verwechslungen von weit auseinander 
liegenden Richtungen. Das sind zugleich drei Punkte, in denen 
sich die Schallokalisationen erheblich von den anderen Sinnes¬ 
gebieten unterscheiden. 
c) Richtungsauffassung bei verschiedener Hörschärfe 
der beiden Ohren. Hier sind zunächst die Erfahrungen über 
die Auffassung der Schallrichtung bei einseitiger oder beiderseits 
verschiedener Schwerhörigkeit heranzuziehen. Wer der Meinung 
huldigt, daß unser Urteil über die Richtung durch das Verhältnis 
dei Erregungsstärke in den beiden Ohren bedingt sei, wird in einer 
solchen Verlegung des Schalls nach der Seite des besser hörenden 
Ohres die selbstverständliche Eolge einer verschiedenen Hörschärfe 
der beiden Ohren sehen. So fand Politzer (1876, 12) die „Para¬ 
cusis loci'1 bei einseitiger Schwerhörigkeit nicht überraschend, aber 
auch bei nicht stark differierender Hörstörung in den beiden Gehör¬ 
organen soll sie ziemlich häufig Vorkommen. Auch Urbantschitsch 
(232, 35) gewinnt keine allgemeine Regel. Bei einseitiger hoch¬ 
gradiger Schwerhörigkeit oder gar Taubheit wird zwar der Schall
        

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