Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Völkerpsychologie: Eine Untersuchung der Entwicklungsgesetze von Sprache, Mythus und Sitte, 2. Band: Mythus und Religion, 1. Teil [from 2nd ed. on published as vol. 3: Die Kunst and vol. 4: Mythus und Religion, 1. Teil]
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39774/526/
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Die Phantasie in der Konst. 
zum Scherzhaften zu befriedigen, sondern um dieses Gegensatzes 
willen ebenso nachfolgte, wie der ausgelassene dionysische Festzug 
dem ernsten Dithyrambus gefolgt war, und wie überall sonst das 
Komische durch den vorangegangenen ernsten Eindruck gehoben 
wird. Die Heroen und ihre tragischen Schicksale bildeten den 
Hintergrund, von dem die Alltäglichkeiten des Lebens der Gegen¬ 
wart wirksam sich abhoben. Dadurch wurde zugleich das direkte 
komische Motiv in seiner Bedeutung verändert und gehoben. Nun 
war es nicht mehr die Situation, sondern der Dialog und die Hand¬ 
lung, aus denen die komische Wirkung hervorwuchs. Der Hand¬ 
lung ordnete sich zunächst die pantomimische Situationskomik, dann 
auch der in den Anfängen der höheren Komödie noch# vorherr¬ 
schende witzige Dialog unter. Die Handlung aber dehnte allmäh¬ 
lich über alles sich aus, was im Leben und Tun des Menschen 
widerspruchsvoll und doch im Lichte einer objektiven Betrachtung 
als ein notwendiger, im Widerstreit der Kontraste das Lebensgefuhi 
erhöhender Inhalt des Lebens erscheint. Indem die Komödie den 
Kampf des Lebens, in dem solche Kontraste nicht zerstörend, son¬ 
dern erhaltend und durch die Ausgleichung der Widerstände, die 
das Leben bedrücken, befreiend gegeneinander wirken, zur künst¬ 
lerischen Darstellung bringt, erhebt sie über jenen Kampf und ent¬ 
lastet das Gemüt In dieser von nun an festgehaltenen Richtung 
vollzieht sich dann der weitere Wandel der Motive überall im Sinne 
der Interessen und der Kämpfe, die jeweils das Leben selbst er¬ 
füllen. Schon die alte attische Komödie, die der geschlossenen 
Handlung noch entbehrt, stellt in der dialektischen Wechselrede 
der Hauptpersonen den Kampf in den Mittelpunkt des Stücks; und 
durch den Übergang dieser Dialektik in die Handlung selbst ge¬ 
winnt dann eigentlich erst die Komödie ihre dramatische Form *). 
Neben den dauernden treten daher mehr oder minder vergängliche 
Motive auf die komische Bühne, und auch hier wiederholt sich die 
schon in die allerersten Anfänge des burlesken Mimus hineinreichende 
Erscheinung des Untergangs und der Neubildung der Motive. Dieser 
Wandel erfolgt schließlich nach den gleichen elementaren Gesetzen 
*) Vgl. oben S. 502 f. Ober die Bedeutung des Kampfes im modernen Lustspiel. 
Walter Harlan, Schule des Lustspiels (o. J.), S. 84 ff.
        

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