Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Völkerpsychologie: Eine Untersuchung der Entwicklungsgesetze von Sprache, Mythus und Sitte, 2. Band: Mythus und Religion, 1. Teil [from 2nd ed. on published as vol. 3: Die Kunst and vol. 4: Mythus und Religion, 1. Teil]
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39774/222/
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Die Phantasie in der Konst. 
Denn die Tiere, mit deren Bildern Waffen und Schilde geschmückt 
werden, sind durchweg die gleichen, die uns auch in der Tätowierung, 
auf den Mänteln der Zauberpriester oder an den als spezifische Kultus¬ 
objekte benützten Zauberstäben begegnen. So zeigen die Wurf¬ 
hölzer und Wurfbretter der Australier besonders häufig Schlangen- 
und Vogelformen und gelegentlich auch anscheinend aus Vogel und 
Krokodil zusammengesetzte Mischgestalten, seltener Umrisse mensch- 
Fig. 48. Australisches Wurfholz, nach Ctirr. 
lieber Figuren (Fig. 48 und 49). Ähnliche Typen finden sich auf 
Neuguinea und auf den Inseln Mikronesiens1). Auf afrikanischem 
Boden ist es die Eidechse, die uns, entsprechend der Verbreitung 
ihrer Formen und der Bedeutung, die sie demnach auch im Kultus 
dieser Lindergebiete einnimmt, überall wiederbegegnet. Sie findet 
sich auf den verschiedensten Objekten, von den Zauberstäben der 
Fig- 49- Ansatzstück eines australischen Wurfholzes, nach von Luschan. 
Fetischpriester, den Waffen und Schilden an bis herab zu den 
Kürbisgefäßen und Spielmarken (Fig. 50)* 9). Gewiß mag bei der 
Mannigfaltigkeit dieser Verwendungen für Gegenstände des täglichen 
Gebrauchs die ursprüngliche Bedeutung gelegentlich verblaßt sein. 
Aber daß sie eine solche über die bloß spielende Nachahmung 
hinausgehende gehabt hat, wird man auch hier nicht bezweifeln 
können. Wenn Lanze, Streitaxt und Schild mit den gleichen Sym- 
*) E. M. Curr, The Australian Race, vol. 1, 1886, p. 143 ff. F. von Luschan, 
Das Wurfholz in Neu-Holland und in Ozeanien, Festschrift für Ad. Bastian, 1896, 
S. 131 ff. 
9) K. Weule, Die Eidechse als Ornament in Afrika, Festschrift für Ad. Bastian, 
S. 169 ff.
        

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