Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Völkerpsychologie: Eine Untersuchung der Entwicklungsgesetze von Sprache, Mythus und Sitte, 2. Band: Mythus und Religion, 1. Teil [from 2nd ed. on published as vol. 3: Die Kunst and vol. 4: Mythus und Religion, 1. Teil]
Person:
Wundt, Wilhelm
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39774/160/
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Die Phantasie in der Kunst, 
tierischen sich nähernden Form. Wo alle andern Attribute des 
Tieres fehlen, da ist es meist noch der weit aufgerissene Mund 
und das stiere Auge, die an die Bestie erinnern (D). Wie uns in 
diesen Masken der Naturvölker der Übergang von der tierischen zur 
menschlichen Bildung in den verschiedensten Abstufungen entgegen¬ 
tritt, so hat sich übrigens ein ähnlicher Übergang auch bei den 
Kulturvölkern geschichtlich vollzogen und hier in die Entstehung 
einer der wichtigsten unter den darstellenden Künsten, der drama¬ 
tischen, eingegriffen. Insbesondere bei den Griechen sind so die 
Fig. 20. Gesichtsmasken verschiedener Völker. A aas Neuguinea (nach Schurtz), 
B Nordamerika (nach Fewkes), C Westafrika (Loangoküste, nach Frobenins), D Sin¬ 
gh alesisch, einen Krankheitsdämon darstellend (nach Grünwedel). 
Tierchöre der alten Komödie sichtlich aus den mit religiösen Kulten 
zusammenhängenden Tiertänzen hervorgegangen, und die Tiermaske 
bildet auch hier das Urbild für die mannigfachen Formen komischer 
Masken, deren wesentlicher Charakter in der Verbindung tierischer 
und menschlicher Züge bestehtx). 
Die gleichen Motive, die in der Gesichtsmaske solche Kombi¬ 
nationen hervorgebracht haben, sind nun aber naturgemäß auch in 
dem weiteren Gebiete bildender Kunst wirksam gewesen. Krankheits¬ 
dämonen, Rachegeister und andere Schreckgebilde der Phantasie 
finden ihren adäquaten Ausdruck in Gestalten, die in ihrem Ange- 
x) Vgl. H. Reich, Der Mimus, Bd. 1, 1903, S. 478, 591. A. Dieterich, Pulcinella, 
1897, S. 32 ff. Ober Maskentänze vgl. unten III, 4.
        

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