Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die Musikwissenschaft auf physikalischer, physiologischer und psychologischer Grundlage
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39762/84/
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Tonika, etwa d oder g nehmen können. In jedem Falle wäre — 
und darauf kommt es an — die Reihe der Schwingungszahlen¬ 
verhältnisse 1 : f : -J usw. die gleiche geblieben. Überhaupt sind für 
das eigentliche Wesen der Musik die Intervallwerte und deren Ge¬ 
nauigkeit bei weitem bedeutungsvoller als die absoluten Schwingungs¬ 
zahlen der Töne. So hängt die Güte der Stimmung eines Klaviers 
nur von der Richtigkeit der Schwingungszahlenverhältnisse ab; ob 
dabei, um irgend einen Ton herauszugreifen, das c° 128 oder viel¬ 
leicht 131 Schwingungen pro Sekunde macht, ist an und für sich 
nebensächlich. Sobald freilich mehrere Instrumente zusammen spielen, 
müssen auch die absoluten Schwingungszahlen der gleichnamigen 
Töne vollkommen übereinstimmen: ein Sänger darf nicht ein c° von 
128 Schwingungen singen, wenn das c° des begleitenden Klaviers 
die Schwingungszahl 131 hat; diese beiden c° wären wegen ihres 
schwebenden, unreinen, dissonanten Zusammenklanges eine musi¬ 
kalische Unmöglichkeit. 
Um den einzelnen Noten eines Instrumentes ge- 
Kammerton. 
nau bestimmte Schwingungszahlen zu verleihen, 
genügt es, dies mit einer einzigen derselben aus¬ 
zuführen, da alsdann die Schwingungszahlen aller übrigen wegen 
der festen Intervallverhältnisse ohne weiteres ebenfalls fixiert sind. 
Welchen Ton man nun gerade als Ausgangston in diesem Sinne, 
als Normalton, wählen will, ist an sich wiederum beliebig. 
Nach allgemeiner Gepflogenheit benutzt man dazu das a der ein¬ 
gestrichenen Oktave (a1), welches mit bezug hierauf »Kammerton« 
genannt wird. Die Höhe desselben ist zu verschiedenen Zeiten und 
in den verschiedenen Ländern nicht unbeträchtlichen Schwankungen 
unterworfen gewesen. Auf der internationalen Wiener Konferenz 
1885 hat man schließlich für den Kammerton (diapason normal) 
435 Doppelschwingungen oder 870 einfache Schwingungen pro 
Sekunde festgesetzt. [Die Zahl 435 entspricht der deutschen Zähl¬ 
weise, die bei der Pendelbewegung einen Hin- und einen Hergang 
zusammen als eine Schwingung auffaßt, während die Franzosen 
den Hingang als eine und den Rückgang als die zweite Schwingung 
ansehen und daher jedem Ton doppelt so viel Schwingungen zu¬ 
schreiben als wir. Diese Zwiespältigkeit hat den Übelstand zur 
Folge, daß man, wo es darauf ankommt, bei einer Tonhöhenangabe 
stets hinzusetzen muß, ob Doppelschwingungen (vibrations doubles 
{abgekürzt y. d.}) oder einfache (vibrations simples {v. s.}) gemeint sind.]
        

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