Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die Musikwissenschaft auf physikalischer, physiologischer und psychologischer Grundlage
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39762/53/
42 
Ruhe bleibt, so zeichnet der Stift eine horizontale Linie auf die 
Schreibfläche. Bringen wir letztere dann in die alte Lage zurück, 
so daß das Pendel wieder genau über D hängt, und setzen die 
Kugel durch einen senkrecht zu der horizontalen Linie gerichteten 
Stoß in schwingende Bewegung, so beschreibt der Stift einen Strich, 
der mit der Horizontalen — diese können wir jetzt wieder als 
Abscisse bezeichnen — einen rechten Winkel bildet und von ihr 
halbiert wird. Was wird nun geschehen, wenn wir gerade in dem 
Augenblick das Papier nach links hin und zwar mit konstanter Ge¬ 
schwindigkeit zu verschieben anfangen, wenn das Pendel sich an¬ 
schickt, von D aus den oberhalb der Abscisse gelegenen Teil seiner 
Bahn zu beginnen? In diesem Falle wird der Stift weder eine 
senkrechte noch eine wagerechte Linie beschreiben, sondern eine 
zwischen beiden nach rechts gerichtete und überdies gekrümmte. 
Denn je mehr sich das Pendel von D entfernt und der Endlage 
nähert, um so langsamer wird, wie wir wissen, seine Bewegung. 
In demselben Maße wird aber auch die Kurve des Stiftes, die zuerst 
verhältnismäßig steil ansteigt, immer horizontaler und schließlich 
ganz horizontal in dem allerdings ja unendlich kurzen Moment, wo 
das Pendel in der Endlage völlig zur Ruhe kommt. Auf dem Rück¬ 
wege des Pendels von der Endlage zur Abscisse wiederholen sich 
Punkt für Punkt dieselben Geschwindigkeitsverhältnisse in der um¬ 
gekehrten Reihenfolge. Die Kurve des Stiftes ist daher in diesem 
zweiten Viertel der Pendelschwingung das Spiegelbild der im ersten 
beschriebenen. Im dritten und vierten Viertel bewegen sich Pendel 
und Stift unterhalb der Abscisse; abgesehen von der hierdurch be¬ 
dingten Richtungsverschiedenheit wickelt sich dabei alles genau 
ebenso ab, wie zuvor oberhalb derselben. 
Fig. 18 stellt das Bild einer auf diese Weise über einer Abscisse 
DE gezeichneten »Pendelkurve« dar. Man sieht, daß dieselbe 
aus vier gleichen, nur verschieden gegen einander gerichteten Teilen 
besteht, nämlich dem Stücke zwischen Punkt D und Punkt 3, 
zwischen 3 und 6, 6 und 9 und 9 und E. Die Pendelkurven 
haben nun eine bestimmte Eigenschaft, die es ermöglicht, sie auch 
ohne Zuhilfenahme eines wirklich pendelnden Körpers bloß mit 
Zirkel und Lineal auf dem Papier zu konstruieren. Um dies an 
der Figur zu demonstrieren, ist die Abscisse in 12 gleiche Teile 
geteilt und sind in den Teilpunkten */12, 2/12 usw. die zugehörigen 
Ordinaten 1, 2, 3 usw. errichtet. Es ist außerdem neben der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.