Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die Musikwissenschaft auf physikalischer, physiologischer und psychologischer Grundlage
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39762/33/
mit dem Wasser zur Folge hat. Bei den Versuchen, die Colladon 
und Sturm \ 826 im Genfer See anstellten, wurde von einem Schiff 
aus eine Glocke ins Wasser gesenkt und mittels eines an einem 
Hebel befestigten Hammers angeschlagen, während auf einem zweiten 
Schiffe der Ton durch ein ins Wasser hineinreichendes Hörrohr auf¬ 
gefangen wurde. Zum Nachweise der Schallfortpflanzung durch feste 
Körper braucht man nur den Stiel einer leise klingenden Stimm¬ 
gabel auf das eine Ende eines Stockes zu setzen und dessen anderes 
Ende an das Ohr zu halten. Man kann auch, wie Charles Wheatstone 
zuerst gezeigt haben soll, die Töne eines Pianofortes durch einen 
dessen Resonanzboden berührenden Stab in ein entferntes Zimmer 
leiten und daselbst hörbar machen, indem man zum Beispiel den 
Resonanzboden einer Harfe gegen das Ende des Stabes drückt. 
Schon die Existenz der Resonanzböden unserer Saiteninstrumente an 
sich bestätigt übrigens die Schallleitung in festen Körpern. Denn 
gerade dadurch, daß die Töne von den Saiten durch deren Befesti¬ 
gungspunkte auf die große Fläche des Resonanzbodens und von 
diesem aus auf eine entsprechend große Luftmasse übergehen, be¬ 
kommt ja das Instrument überhaupt erst seine Klangstärke. 
An diese und ähnliche Erfahrungen über das 
Bestehen einer Schallfortpflanzung knüpft sich nun 
naturgemäß die Frage, wie rasch denn die Aus¬ 
breitung erfolgt, eine Frage, welche sowohl für die 
wissenschaftliche als auch für die praktische Akustik 
von Wichtigkeit ist. In bezug hierauf ergeben die mathemalisch¬ 
physikalische Betrachtung und die experimentellen Beobachtungen 
übereinstimmend als erstes Gesetz, daß die Fortpflanzungsgeschwindig¬ 
keit unter gewöhnlichen Umständen unabhängig von der Schwingungs¬ 
zahl und Schwingungsweite ist. Hohe und tiefe Töne pflanzen sich 
gleich schnell fort. Welche große Bedeutung diese Tatsache für 
unsere Gehörswahrnehmungen hat, leuchtet ohne weiteres ein. Was 
würde aus unseren Orchester-Aufführungen und Kanzelreden werden, 
wenn die tieferen Töne erheblich früher oder später das Ohr träfen 
als die höheren; oder vielmehr, wie würde sich wohl unter So 
veränderten Verhältnissen unsere Musik und Sprache entwickelt 
haben ? 
Die Tonhöhe gehört also nicht zu den Bedingungen, welche die 
Geschwindigkeit der Fortpflanzung einer Schallwelle bestimmen. 
Dahingegen hängt diese ab von der Beschaffenheit des leitenden 
Fortpflanzungs¬ 
geschwindig¬ 
keit.
        

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