Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die Musikwissenschaft auf physikalischer, physiologischer und psychologischer Grundlage
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39762/24/
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setzt oder den letzteren an den Resonanzboden eines Instrumentes 
anlegt; aber das sind natürlich relativ seltene Ausnahmen. Der üb¬ 
liche Weg ist die Fortpflanzung durch die Luft. Bringen wir 
eine Glocke in einen luftverdünnten Raum, also etwa unter den Rezi¬ 
pienten einer Luftpumpe, so hören wir sie viel schwächer als im 
Freien, und wenn die Luft schließlich ganz entfernt wird, so erlischt 
der Klang vollständig. Es fehlen dann eben die Luftteilchen, die 
ihn von der Glocke auf die Glaswand des Rezipienten, von der er 
nach außen weiter gegeben werden würde, überführen. 
Wie vollzieht sich nun die Schallfortpflanzung durch die Luft? 
Betrachten wir als Paradigma den Vorgang, wie er sich bei einer 
oscillierenden Lamelle abspielt. Zur Zeit, wo dieselbe vorwärts 
schwingt, treibt sie die an ihre äußere Fläche grenzenden Luftteilchen 
vor sich her und schiebt sie zusammen. Es entsteht also eine Luft¬ 
verdichtung, die jedoch als eine Störung des Gleichgewichtes nicht 
bestehen bleiben kann. Die zusammengedrängten Luftmoleküle streben 
vielmehr durch gegenseitige Abstoßung nach allen Richtungen wieder 
auseinandèr. Durch den von ihnen ausgeübten Druck werden nun 
die sie umgebenden, bisher ruhenden Luftteilchen zusammengeschoben 
und geben ihrerseits in gleicher Weise die Kompression an die nächst¬ 
folgende Schicht ab. So schreitet die Verdichtung immer weiter 
und weiter fort und zwar, da dies gleichmäßig nach allen Rich¬ 
tungen des Raumes geschieht, in Form einer stetig wachsenden 
Kugeloberfläche. Inzwischen schwingt aber die Lamelle rückwärts 
und verursacht dadurch dort, wo eben die Kompression stattfand, 
nunmehr eine Luftverdünnung. Sie wirkt saugend, die benachbarten 
Luftteilchen bewegen sich auf die Lücke zu, hinterlassen ihrerseits 
eine Verdünnung und diese breitet sich ebenso aus, wie vorher die 
Verdichtung. So lange die Lamelle schwingt — und hei allen an¬ 
deren Tonerzeugungsmitteln finden wir ganz analoge Verhältnisse 
— folgen sich, von ihr ausgehend und in Form konzentrischer 
Kugelschalen fortschreitend, immer umschichtig Verdichtungen und 
Verdünnungen. 
Eine bildliche Erläuterung hierzu gibt' uns Fig. 10. Als Schall¬ 
quelle ist hier eine Glocke gewählt. Man sieht, wie die Verdichtungs¬ 
und Verdünnungszonen den Raum erfüllen und auf ihrem Wege das 
Ohr treffen. Als flächenhafte Darstellung vermag die Abbildung uns 
die einzelnen Zonen natürlich nicht in ihrer wirklichen Kugelform 
wiederzugeben: wir sehen nur die kreisförmigen Durchschnitte dêr
        

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