Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die Musikwissenschaft auf physikalischer, physiologischer und psychologischer Grundlage
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39762/156/
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Die Kombinationstöne erfüllen denn auch die letztgenannte Be¬ 
dingung, wie aus neueren Untersuchungen mit Bestimmtheit gefolgert 
werden darf. Schon Helmholtz wußte, daß die beim Spielen auf 
dem Harmonium zu Gehör kommenden, sowie die durch gewisse 
Sirenen hervorgerufenen Kombinationstöne in dem betreffenden Instru¬ 
mente selbst ihren Ursprung haben und von diesem zugleich mit 
den Primärtönen an die Luft abgegeben werden. Denn er konnte 
ihre Existenz außerhalb des Ohres mit Hilfe von Resonatoren nach- 
weisen. Später hat man derartige, wie man zu sagen pflegt, physi¬ 
kalische oder obj ektive Kombinationstöne noch bei singenden 
Bogenlampen, bei empfindlichen Flammen oder Wasserstrahlen und, 
was hier besonders wichtig ist, an Membranen, die von beiden 
Primärtönen zugleich erregt werden, beobachtet. Primärtöne, die 
auf dem Klavier angegeben werden oder von Stimmgabeln und 
anderen räumlich isolierten Tonquellen stammen, erzeugen hingegen 
sogenannte physiologische oder subjektive Kombinations¬ 
töne, auf welche selbst die feinsten Resonanzmittel nicht reagieren 
und von denen man daher nur annehmen kann, daß sie erst im 
Gehörorgane des Beobachters zustande kommen. Im Hinblick auf die 
eben erwähnte Tatsache, daß Membranen physikalische Kombinations¬ 
töne liefern, erscheint es jedoch durchaus berechtigt, das Trommelfell 
(eventuell auch das ovale Fenster) als ihren Entstehungsort anzusehen, 
und alsdann verhalten sich die subjektiven Kombinationstöne dem 
dörfischen Organe gegenüber genau so, als wären sie bereits objek¬ 
tive, pendelförmige Bestandteile der Klangwelle in der Luft gewesen. 
Die Töne h — t und h + t sind die wichtigsten ihrer Art, aber 
nicht die einzigen. Ihnen als Kombinationstönen erster Ord¬ 
nung steht eine Gruppe von Kombinationstönen höherer Ord¬ 
nung gegenüber, ohne daß indessen prinzipielle Unterschiede zwischen 
beiden vorhanden sind. Gehen wir vorläufig einmal, indem wir 
alle praktischen Erfahrungen bei Seite lassen, von dem Gedanken 
aus, jedes beliebige Tonpaar vermöge einen Differenzton h — t und 
einen Summationston h-{-t zu bilden, so ergibt schon ein einzel¬ 
nes Primärtonpaar rechnerisch eine unendliche Anzahl von Kom¬ 
binationstönen. Zunächst entstehen aus den Primärtönen h und t 
der »erste« Differenzton h — t und der »erste« Summationston h -f- t. 
Betrachten wir dann diese beiden Kombinationstöne als neue Primär¬ 
töne neben h und t, so resultieren aus den nunmehr vier Primär¬ 
tönen die weiteren Kombinationstöne höherer Ordnung — t, 
Schaefer, Musikwissenschaftliche Akustik. 10
        

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