Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die Musikwissenschaft auf physikalischer, physiologischer und psychologischer Grundlage
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39762/152/
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An- und Abschwellen der Klangintensität, dieses Auf- und Nieder¬ 
wogen bezeichnet man als Schweben. 
Wie eine genauere Betrachtung der Figur 74 zeigt, fällt hier 
immer je eine Schwebung — gerechnet von einem Maximum zum 
nächsten — mit je einer Klangperiode, die aus ä Wellen des tieferen 
und 6 Wellen des höheren Tones besteht, zusammen. Ist also die 
Schwingungszahl des ersteren 5 n und die des zweiten 6n, so hört 
man n Schwebungen in der Sekunde, d. h. deren Anzahl ist gleich 
der Differenz der Schwingungszahlen. Diese letztere Tatsache, welche 
nicht bloß für unser Paradigma sondern für jedes schwebende Inter¬ 
vall gilt, ermöglicht es, die Höhe eines Tones dadurch genau zu 
bestimmen, daß man ihn mit einem anderen von bekannter Schwin¬ 
gungszahl schweben läßt und nach der Uhr auszählt, wieviel Schwe¬ 
bungen in einer Sekunde stattfinden. Die ermittelte Zahl wird der 
Schwingungszahl des Vergleichstones addiert, falls er der tiefere, 
oder von ihr subtrahiert, wenn er der höhere ist, und im Resultat 
hat man alsdann die gesuchte Schwingungszahl. 
Sind die Schwebungen sehr langsam — und man kann noch 
solche hören, deren Dauer mehrere Sekunden beträgt — so decken 
sich die Erregungszonen in der Basilarmembran so gut wie voll¬ 
ständig. Man hört auch in diesem Falle nur einen einzigen und 
zwar rhythmisch an- und abschwellenden Ton. Läßt man die Ton¬ 
höhendistanz allmählich wachsen, so werden die Schwebungen 
schneller und schneller, erscheinen zunächst als Schläge oder Stöße, 
dann als ein Rollen, Rasseln, Knurren oder Schwirren und schlie߬ 
lich nur noch als Rauhigkeit. 
Entsprechend der Frequenzzunahme rücken die Erregungszonen 
in der Basilarmembran mehr und mehr auseinander; die selbstän¬ 
digen Randzonen werden breiter, die gemeinsame Mittelstrecke wird 
schmaler. In einem gewissen Stadium vernimmt man denn auch 
bei einiger Aufmerksamkeit und Übung in der Klanganalyse ganz 
gemäß dieser Dreiteilung die Partialtöne des schwebenden Zwei- 
klänges nicht schwebend sondern glatt dahinfließend und außerdem 
einen intermittierenden Ton, der seiner Höhe nach zwischen den 
beiden anderen liegt. Letzterer, von 0. Stumpf Zwischenton ge¬ 
nannt, ist also ein rein subjektiver, in der physikalischen Klangwelle 
nicht mit enthaltener Ton, eine sekundäre Klangerscheinung, 
der gegenüber die beiden objektiven, von außen das Ohr erregenden 
Töne auch als Primärtöne bezeichnet werden. Zwecks Beobach-
        

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