Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Einführung in die Musikwissenschaft auf physikalischer, physiologischer und psychologischer Grundlage
Person:
Schaefer, Karl L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39762/136/
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rungen wirken auf die lebendige Protoplasmasubstanz der Hörzellen 
als ein Reiz, der auf die zugehörigen Nervenfasern übergehend sich 
ins Gehirn fortpflanzt, wo er schließlich die der Gehörsempfindung 
zugrunde liegenden physiologischen Prozesse auslöst. 
In der vorstehenden Darstellung ist absichtlich 
nicht bestimmt ausgesprochen, wo nun eigentlich 
die Durchbiegungen, die Oscillationen der Basilar- 
membran stattfinden. Spielen dieselben sich stets 
am Anfangsteil in der Nähe des runden Fensters 
ab, oder ist etwa immer die ganze Länge der Membran von der 
Schneckenbasis bis zur Kuppel daran beteiligt, oder kommen viel¬ 
leicht je nach der Art des Schalles wechselnde Stellen in Betracht? 
Eine absolut sichere Antwort auf diese Fragen läßt sich zurzeit noch 
nicht geben. Die wissenschaftliche Akustik kennt verschiedene 
»Hörtheorien«, die sich mit diesem Problem beschäftigen und 
zwischen denen es noch durchaus nicht zu einer definitiven Ent¬ 
scheidung gekommen ist. Es ist jedoch eine unter ihnen, der ein 
ganz besonders hoher Grad von Wahrscheinlichkeit zukommt und 
die bei weitem am besten mit allen bisher bekannten Tatsachen aus 
dem Gebiete der Schallwahrnehmung in Einklang steht: die Reso¬ 
nanztheorie von Helmholtz. Diese Theorie, die ihr berühmter 
Autor in seinem klassischen Werke »Die Lehre von den Tonempfin¬ 
dungen« ausführlich klargelegt und begründet hat, soll darum auch 
unseren ferneren Auseinandersetzungen, soweit sie die physiolo¬ 
gischen Vorgänge im inneren Ohre betreffen, zur Grundlage dienen. 
Nach Helmholtz haben wir uns die*Basilarmembran als ein System 
äußerst zarter, ihrer Substanz nach am ehesten den Darmsaiten der 
Streichinstrumente verwandter, in unmittelbarster Nachbarschaft eine 
neben der anderen von der Lamina spiralis zur gegenüberliegenden 
Wand des Schneckenkanals, d. h. von der Spindelachse aus gesehen 
radiär verlaufender Saiten vorzustellen, deren jede auf eine be¬ 
stimmte Tonhöhe abgestimmt ist und in Mitschwingungen gerät, so¬ 
bald der betreffende Ton das Ohr erregt. Die Berechtigung zu dieser 
Auffassung entnimmt Helmholtz dem Umstande, daß die Basilar- 
membran, während ihre Querfasern eine ziemlich beträchtliche Festig¬ 
keit besitzen, durch einen in der Längsrichtung wirkenden Zug leicht 
zerrissen wird, und daß sie daher auch bei ihrer natürlichen Be¬ 
festigung in der Querrichtung vermutlich stark, in der Längsrichtung 
dagegen jedenfalls nur sehr schwach gespannt ist. »Wenn aber«, 
Die Helmholtz- 
sche Besonanz- 
theorie des 
Hörens.
        

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