Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Reizung in der quergestreiften Muskelfaser
Person:
Aeby, Christoph
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39759/7/
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Einleitung. 
von Reizen irgend welcher Art fesselte wohl alle Forscher und 
manche bemühten sich auch, das geheimnissvolle Wesen dieser 
Erscheinung durch mehr oder minder scharfsinnige Theorien 
zu erläutern, aber nur wenige sprachen sich darüber aus, ob 
die lebendige Bewegung des Muskels von allen seinen Theilen 
gleichzeitig ausgehe, oder aber, ob sie in bestimmten Punkten be¬ 
ginnend auf die entferntem sich übertrage. Dergleichen Feinheiten 
liegen überhaupt der altem Physiologie ferner, die sich gern 
mit blitzartig schnellen Bewegungen und unmessbar kurzen 
Zeiten begnügt. Hamberger1) ist meines Wissens einer der 
Ersten, der sich über die Contractionsweise des Muskels aus¬ 
spricht, und zwar in dem Sinne, dass er ihn gleichzeitig von 
allen seinen Theilen in Bewegung gerathen lässt. Ihm ist die 
Verkürzung das Product einer Vermischung des Nervengeistes 
mit dem Muskelblute; er schildert den Apparat, durch den es 
möglich ist, dass beide durch den ganzen Muskel hindurch gleiche 
zeitig miteinander in Berührung kommen; deshalb findet er es 
auch erklärlich, dass ein grosser Muskel zu seiner Verkürzung 
keine grössere Zeit als ein kleiner bedarf. In gleichem Sinne 
äussert sich schon früher Steno2), wenn ich anders die Stelle 
richtig verstehe; er beschränkt sich übrigens auf die Angabe, 
dass die Muskelfasern (carnes 1. c. p. 13) bei der Contraction 
in ihrer ganzen Länge gleichmässig sich verändern ; den Beweis, 
den er dafür zu leisten verspricht, habe ich nicht auffinden können. 
Dagegen wird der Gegenstand ziemlich weitläufig von Borelli3) 
*) G. E. Hamberger, Phvsiologia medica, pag. 593. §. 1169. Jenae. 
1751. Cum motus musculorum fiant ad voluntatem hominis tempore insensibili, 
ut etiam miscela spirituum cum sanguine tantillo temporis spatiolo fiat necesse 
est. Hoc vero requirit, ut sanguis non solum in minutissimis haereat cavis, 
verum etiam ut in quamlibet talem cavitatem minutissimam abeat nervus, qui 
Spiritus eo déférât, sic enim maximus aeque ac minimus musculus aeque celeriter 
intumescere potest. 
ä) N. Stenonis Elementorum Myologiae specimen, pag. 26. Amstelo- 
dami. 1669. Dum contrahitur musculus, singulae carnes toto ductu aequaliter 
mutantur, ac breviores fiunt. 
3) Jos. Alpb. Borelli, De motu animalium. Pars secunda, propo-
        

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