Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Untersuchungen über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Reizung in der quergestreiften Muskelfaser
Person:
Aeby, Christoph
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit39759/69/
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Schlussfolgerungen. 
mit Nervenreizung bei jeder Anordnung des Muskels eine gleichzei¬ 
tige Hebung der Hebel erfolgen, da die Angriffspunkte der Nerven 
auf die einzelnen Muskelfibrillen nicht in regelmässigen Querreihen 
angeordnet, sondern unregelmässig durch die ganze Masse des 
Muskels hindurch vertheilt sind, mithin in jedem Querschnitte 
primäre Contractionswellen erzeugt werden müssen. Freilich 
kann, strenggeriommen, nicht von einer absoluten Gleich¬ 
zeitigkeit im Beginn der Contraction an verschiedenen Punkten 
der Faser gesprochen werden, da ja auch innerhalb der Nerven¬ 
faser der Reiz einer gewissen Zeit zu seinem Weiterrücken 
bedarf und er demnach zu den entferntem Punkten je nach 
der Länge der zu durchlaufenden Nervenstrecke später als zu 
den nähern gelangen wird. Indessen ist bei der Geschwindig¬ 
keit, womit die Fortpflanzung im Nervenrohr vor sich geht, der 
Unterschied ein so geringer, dass er die Grenze der mit unserer 
Methode verbundenen Fehlerquellen nicht überschreitet, also 
auch nicht in Betracht kommen kann. Für diese ganze An¬ 
schauungsweise ist der früher mitgetheilte Versuch der Zuckung 
nach partieller Nervenzerstörung von wesentlicher Bedeutung, 
weil er uns den directen Beweis liefert, dass in der That ein 
Fortschreiten der Contractionswelle von den Nervenenden aus 
stattfindet. — So erklärt es sich denn auch, weshalb bei un- 
vergifteten Muskeln die durch locale Reizung an dem einen 
Ende erzeugte Zuckung sich anders verhält, als die, welche 
der Nervenreizung ihren Ursprung verdankt. Sie kann nicht 
wie die letztere auf mehrere Punkte vertheilt werden und 
dadurch an mehreren Stellen gleichzeitig beginnen; die von 
Kühne1) behauptete doppelsinnige Leitung kommt nicht in 
Betracht, da durch sie der Reiz nur auf die Stelle, von der 
er ausging, zurückgeleitet werden müsste. Ob das Curare auch 
auf die letzten Nervenenden einwirkt, kann begreiflicherweise 
auf dem von uns betretenen Wege nicht entschieden werden. 
Diese ' ganze Frage möchte aber wohl sehr an Interesse ver- 
l) A. a. 0. pag. 595. 
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