Bauhaus-Universität Weimar

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33. Die Frage der Willensfreiheit 
oder die willkürliche Erinnerung an irgendein Erlebnis, wobei be¬ 
gleitende Ausdrucksbewegungen, wie eine gewisse Kopfhaltung und 
Augenstellung, Stirnrunzeln u. dgl. vielleicht niemals ganz fehlen, 
aber nirgends die entscheidende Rolle spielen. 
Die ethische Qualifikation bezieht sich, genau genommen, nicht 
auf das Handeln, sondern auf die zugrunde liegende Gesinnung und 
den Willensakt, aus dem die Handlung hervorgeht. Aber man pflegt 
auch von guter und schlechter Handlung zu sprechen. 
Wie das Handeln vom Wollen, so ist auch die Freiheit des 
Handelns von der Willensfreiheit selbst scharf zu unterscheiden. 
Die Handlungsfreiheit besteht in der Möglichkeit, einen Willensakt 
ungehindert auszuführen. So ist der Gefesselte oder Gelähmte 
in diesem Sinn unfrei. Er kann aber noch die Bewegung wollen, 
solange er sich nicht von ihrer Unausführbarkeit überzeugt hat. 
Ebenso kann auch die zu einer mathematischen Beweisführung oder 
zur Reproduktion eines Namens erforderliche Gedächtnisleistung 
augenblicklich versagen, da zum Gelingen allerlei Faktoren, auch 
solche physiologischer Art, Zusammenwirken müssen. 
Wir haben es hier nur mit der Freiheit des Wollens selbst zu 
tun. Man kann auch sagen: es handelt sich um das Verhältnis des 
Wollens zu dem, was ihm vorausgeht, nicht zu dem, was ihm 
folgt. Selbst einem so hervorragenden Psychologen wie Locke ist 
es in seiner ausführlichen Untersuchung des Freiheitsproblems 
öfters begegnet, daß er beides verwechselte. 
3. Determinismus und Indeterminismus 
a. Von den Formen des Indeterminismus 
Nach der Lehre des Determinismus ist meine Willens¬ 
entscheidung in den Fällen einer ethischen Überlegung durch die 
Gesamtheit der unmittelbar vorausgehenden Umstände ebenso 
eindeutig determiniert, wie die Wirkung durch die Ursache im 
Naturgebiete nach der klassischen Physik determiniert ist; es muß 
also unter gleichen Umständen auch die gleiche Willensentscheidung 
erfolgen. Nach der Lehre des Indeterminismus hingegen ist 
unser Wollen wenigstens in den Fällen einer ethischen Entscheidung 
nicht eindeutig durch die vorausgehenden Gesamtumstände be¬ 
stimmt und kann unter völlig gleichen Umständen verschieden 
ausf allen. 
Der Indeterminismus hat aber zweierlei Formen. Nach dem 
extremen oder absoluten Indeterminismus hat das menschliche
        

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