Bauhaus-Universität Weimar

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§ 31. Psychophysische Kausalität 
usw. Denn eine Ursache muß ja vorhanden sein, sie kann aber nach 
der Voraussetzung nicht im körperlichen Gebiete liegen. Dieser 
Schluß gilt aber nicht bloß für die erste, sondern auch für jede 
spätere Sinnesempfindung im individuellen Leben, da nach der Vor¬ 
aussetzung keine Empfindung durch einen physischen Vorgang wie 
den Nervenprozeß erzeugt sein kann. Ebenso hat aber auch jeder 
Willensakt, der auf eine Bewegung gerichtet ist, hiernach nicht 
diese Bewegung zur kausalen Folge, da dies wieder ein Überspringen 
der Kausalität in das andere Reich bedeuten würde, sondern er muß 
irgendeinen unbekannten, rein hypothetischen Seelenzustand zur 
Folge haben, der seine Wellen nach vorwärts ins Unendliche weiter¬ 
senden muß. 
Und was wird aus dem gepriesenen Monismus ? Wir erhalten 
statt der einen zusammenhängenden Welt zwei, ja unendlich viele 
nebeneinander herlaufende selbständige Welten, einen Pluralismus 
schlimmster Art. Wenn Aristoteles gegen die Platoniker spottend 
bemerkte, sie hätten mit der Annahme von Ideen die Welt, statt 
sie zu erklären, nur vervielfältigt, so gilt dasselbe in erhöhtem Maße 
von der Zweiseitentheorie, w~enn sie konsequent durchdacht wird. 
Der gescholtene Dualismus aber, nach welchem alles in der Welt, 
auch das Geistige und Körperliche, in durchgängiger Wechsel¬ 
wirkung steht (unmittelbar oder mittelbar), erscheint nunmehr als 
der wahre Monismus. Ihm ist die Welt trotz der Mannigfaltigkeit 
ihrer Teile ein einheitliches organisches Ganzes. 
So erweist sich die parallelistische Anschauung als undurch¬ 
führbar und widerspruchsvoll, bleibt also die IVechselwirkungslehre 
vorläufig doch der beste Leitfaden durch das Labyrinth dieses 
großen Problems1. 
In der Blütezeit des Monismus gründet e man sogar einen Monisten- 
bund, wie es Turner- und Schützenbünde gibt, um sich in der Gesinnung zu 
stärken und sie ins Leben überzuführen. „Dualist“ galt als eine Art Schelt¬ 
wort. In der exakten Naturwissenschaft weiß man aber genugsam von 
Stoffen und Prozessen doppelter und entgegengesetzter Art zu reden, ohne 
daß jemand daran Anstoß nimmt oder diese Dualismen auszumerzen für 
nötig hält, wenn sie sich nicht von selbst im Zuge der experimentellen und 
theoretischen Untersuchungen mildern oder als relativ erweisen (wie Kor¬ 
puskeln und Strahlung). Nur in der spekulativen Philosophie war das über¬ 
mäßige Drängen auf Einheit um jeden Preis Mode; und selbst da war Fichte 
nicht über den Gegensatz des Ich und Nicht-Ich, Schelling nicht über seine 
zwei Potenzen des Absoluten hinweggekommen.
        

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