Bauhaus-Universität Weimar

5. Unmöglichkeit des Parallelismus 
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kannte Weise damit verbunden ist. Wir können diese Lehre 
materialistischen Parallelismus nennen. Denn im Grunde hat ja 
danach das Psychische im wörtlichsten Sinne nichts in der Welt 
zu schaffen. Umgekehrt sieht der idealistische Parallelist (z. B. 
Paulsen in seiner fesselnd geschriebenen „Einleitung in die Philo¬ 
sophie“) Ursachen und Wirkungen nur auf der psychischen Seite. 
Konsequent sind aber beide Systeme nicht, wenn anders nur das¬ 
jenige real genannt werden kann, was irgendwie kausal ist. Der 
materialistische Parallelismus verkennt überdies die Tatsache, daß 
der Kausalbegriff gerade im psychischen Gebiete seine Wurzeln 
hat (§ 4, S. 46). Konsequent und mit den Tatsachen verträglich ist 
daher nur die dritte Form parallelistischer Kausalität, nach welcher 
beide Welten in sich geschlossene Kausalreihen dar stellen, keine 
aber in die andere irgendwie übergreift. 
Nun vergegenwärtige man sich den ungeheuren Widersinn 
einer solchen Lehre. Die Welt zerfällt danach in zwei heterogene 
Welten, von denen jede sich selbständig, ohne der Mitwirkung der 
anderen zu bedürfen, abspielt und sich genau ebenso abspielen 
würde, wenn die andere überhaupt nicht existierte. Die Menschen 
würden jammern und jubilieren, Versammlungen und Reden halten, 
Eide schwören, Kriege führen, auch wenn es gar kein Lieben und 
Hassen, Denken und Wollen gäbe. Die Menschengeschichte würde 
verlaufen, wie sie tatsächlich verläuft, aber als eine Kette rein 
äußerlicher und darum ganz sinnloser Prozeduren. Aber auch um¬ 
gekehrt müßte es hiernach denkbar sein, daß menschliche Gedanken 
und Gefühle in derselben Beschaffenheit und Reihenfolge wie jetzt 
auf einanderfolgten, ohne daß überhaupt ein Gehirn existierte, da 
sie ja angeblich ausschließlich aus Ursachen ihrer eigenen Art, aus 
rein psychischen Faktoren her Vorgehen. 
Da ferner infolge des durchgängigen Parallelismus alle Rela¬ 
tionen, welche zwischen den physischen Vorgängen bestehen, also 
auch speziell Kausalverhältnisse, im psychischen Gebiete wieder¬ 
kehren, so muß die Kette der Ursachen wie im physischen, so auch 
im psychischen Gebiete ins Unendliche oder bis zum Beginne der 
Weltentwicklung zurückreichen, ebenso die Kette der Wirkungen 
nach der Zukunft hin ins Unendliche oder bis zum Weitende sich 
erstrecken. Der ersten bewußten Empfindung eines Tieres (und 
irgendeine noch so dumpfe Empfindung muß ja im individuellen 
Leben die erste sein) müßte hiernach ein unbewußter psychischer 
Akt vorausgegangen sein, der wieder psychische Ursachen hatte 
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Stumpf, Erkenntnislehre. Bd. II.
        

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