Bauhaus-Universität Weimar

780 § 30. Kausalität in der organischen Natur 
als unter dauernder Voraussetzung strenger Gültigkeit des Kausal¬ 
gesetzes um einen Schritt vorwärts kommt. Gerade unter den 
Biologen bestehen hierüber kaum Meinungsverschiedenheiten. Sie 
erwarten das Auftreten gleicher Wirkungen und gleicher End¬ 
produkte von gleichen Keimanlagen unter gleichen äußeren Um¬ 
ständen wde eine logische Selbstverständlichkeit, suchen daher, wo 
sich Verschiedenheiten zeigen, sofort nach der verborgen ge¬ 
bliebenen Ursache. So ist das Kausalgesetz auch hier die treibende, 
heuristische Maxime der Weiterforschung und findet immer neue 
ausnahmslose Bestätigung. Der gesamte glänzende Fortschritt der 
neueren Biologie beruht darauf. Auch die Vitalisten und Neo- 
vitalisten sind in diesem Punkte mit den Mechanisten meines 
Wissens durchweg einig. Vermuten sie neue, im unorganischen 
Gebiete nicht anzutreffende Kräfte, so sollen sich deren Wirkungen 
doch mit denen der unorganischen zusammensetzen, ebenso wie 
diese untereinander. Auch die sogenannten Zweckursachen können, 
wie unter 11. näher auszuführen sein wird, nur in dieser Weise 
wirken. Allen, die am Werke sind, sind die herrlichen Worte 
Goethes, auch eines Fachbiologen, aus der Seele gesprochen: 
,,Bist allsogleich und fort und fort gediehen Nach dem Gesetz, 
nach dem Du angetreten. So mußt Du sein, Dir kannst du nicht 
entfliehen. So sagten schon Sibyllen, so Propheten; Und keine 
Zeit und keine Macht zertrümmert Geprägte Form, die lebend sich 
entwickelt.“ 
10. Sprunghafte Entwicklung (Mutationen) 
Ungefähr zu derselben Zeit, als Plancks Quantentheorie in 
den Gedankenkreis der Physiker trat, nämlich um die Jahrhundert¬ 
wende, fand die verwandte Idee einer sprunghaften Entwick¬ 
lung vermehrte Beachtung der Biologen. Diese waren allerdings 
nicht so unvorbereitet und die Idee selbst nicht so reif und wohl¬ 
begründet. Die Urzeugungslehre, die in ihrer alten Form eine fort¬ 
gesetzte Entstehung, in der späteren als Teil der Entwicklungs¬ 
lehre wenigstens die erste Entstehung von Organismen aus Un¬ 
organischem behauptete, war längst von vielen vertreten worden. 
Ferner befanden sich unter den Theorien, welche in den Dis¬ 
kussionen über den Darwinismus auftauchten, auch solche, die 
innerhalb des großen phylogenetischen Prozesses weitere Neu¬ 
bildungen auf naturgesetzlichem Wege annahmen (Transmuta¬ 
tionen Nägelis, Heterogenesen Köllikers, ähnliche Ideen v. Baer’s
        

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