Bauhaus-Universität Weimar

778 § 30. Kausalität in der organischen Natur 
Geschichte eines Gebirgszuges vergleichen. Selbst die Kunst¬ 
ausdrücke zur Beschreibung der Vorgänge zeigen eine gewisse Ver¬ 
wandtschaft. 
Aber auch die Meteorologie bietet in der Entstehungs¬ 
geschichte der Wolkenformen, denen ja Goethe gleichfalls seine 
Aufmerksamkeit schenkte, Beispiele solcher Kausalzusammen¬ 
hänge, denen gegenüber sich die Kausalerklärung auf das All¬ 
gemeine beschränken muß. 
Allerdings sind die Gründe dieser Beschränkung sehr ver¬ 
schieden. In den Fällen geologischer und meteorologischer Ver¬ 
änderungen liegen sie in der Massenhaftigkeit und dem Fluktuieren 
der Gebilde, beim Kaleidoskop in der Menge ,,kleiner Ursachen“ 
(oben S. 447 u. a.) und deren unübersehbaren Kombinationsmöglich¬ 
keiten, in den Fällen der organischen Natur in der Feinstruktur 
der Organismen bis zu ihren letzten organischen Elementen, den 
Zellen und deren mannigfaltigen Bestandteilen. Der erkenntnis- 
theoretische Endeffekt ist aber hier und dort der nämliche. 
9. Das Kausalgesetz unverändert gültig 
Nachdem wir im vorstehenden die Grenzen betont haben, die 
der Kausalforschung im Reiche des Organischen durch die Kom¬ 
pliziertheit der Gebilde gezogen sind, muß nun um so stärker die 
Gemeinsamkeit des Kausalbegriffes und -gesetzes für 
alle phy sischen Geschehnisse betont werden. In dem weiten 
und doch eindeutigen Sinne, wie das Gesetz von der klassischen 
Physik verstanden wurde (S. 715), läßt es sich uneingeschränkt 
und unverändert auf organische Geschehnisse anwenden und muß 
als gültig für sie betrachtet werden. Auch hier freilich wie bei den 
unorganischen nur im Rahmen der großen Außenweltshypothese, 
aber mit der gemeinsamen ungeheuren Wahrscheinlichkeit. Es 
muß auch hier gelten, daß auf jedes Geschehen ein anderes gesetz¬ 
lich oder notwendig folgt. Auch hier muß gelten, daß gleiche Ur¬ 
sachen gleiche Wirkungen haben und umgekehrt. Auch hier 
müssen die bloßen Bedingungen von den Faktoren und muß unter 
diesen wieder die besondere Gruppe der auslösenden Faktoren und 
der Katalysatoren (hier Fermente genannt) von den Hauptfaktoren 
unterschieden werden. Ferner gilt auch hier, daß niemals eine 
absolute Gleichheit der Ursachen und daher auch der Wirkungen 
in zwei Fällen vorliegt, ohne daß die Gültigkeit des Gleichheits¬ 
satzes dadurch beeinträchtigt würde.
        

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