Bauhaus-Universität Weimar

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29. Kausalität in der unorganischen Natur 
in kinetische Form übergeht, so würden ungeheure Zeiten zwischen 
Ursache und Wirkung liegen, eine zeitliche Fernwirkung, die mit 
dem Begriff der Verursachung unverträglich ist1. 
Wo immer Kausalität stattfindet, gilt auch das Prinzip der 
Erhaltung der Energie, und das Vertrauen darauf hat sich als 
festeste Stütze der Forschung bewährt, während viele andere 
Stützen zerbrochen sind. Aber man kann nicht umgekehrt schlie¬ 
ßen, daß auch überall, wo das Energieprinzip gilt, das Kausal¬ 
prinzip Anwendung finden müsse. Die Konstanz der Energie 
stellen wir fest durch Vergleichung des Energiebetrages innerhalb 
eines Systems in verschiedenen, beliebig getrennten Zeitpunkten 
seines Bestandes, Kausalität dagegen (wenigstens unmittelbare) 
kann nur stattfinden zwischen zwei Geschehnissen, die sich zeitlich 
berühren. 
12. Der Kraftbegriff 
Wir sagen — um bei dem oft gebrauchten einfachen Beispiel 
zu bleiben —: ,,Der geworfene Stein fällt zur Erde infolge der 
Anziehungskraft der Erde.“ Damit kann, wenn alle ungerecht¬ 
fertigten Zutaten der Phantasie abgestreift werden, nichts anderes 
ausgedrückt sein als das Gesetz, daß alle von der Erde entfernten 
freischwebenden Körper zur Erde fallen müssen. Der Nachdruck 
liegt auf dem „alle“ und dem „müssen“. Mit anderen Worten: 
es ist das Gesetz, auf welches das Wort „Kraft“ hindeutet. Das 
Verhalten ist nicht in der individuellen, zufälligen Natur des ein¬ 
zelnen Körpers begründet, sondern in der Natur der in dieser Lage 
befindlichen Körper überhaupt. Unser Wissen, wie es in dem all¬ 
gemeinen Kausalgesetz und dem besonderen Fallgesetz niedergelegt 
ist, wird durch das Wort „Kraft“ um nichts erweitert, nur unsere 
Ausdrucksweise wird verkürzt. „Anziehungskraft“ ist nur ein 
Synonymon für „Anziehungsgesetz“, und die Präposition „in¬ 
folge“ ist nicht kausal, sondern logisch zu verstehen, sie besagt 
für das nüchterne Denken nicht, daß das bezügliche Verhalten 
durch die Kraft hervorgebracht wird, sondern nur, daß es aus 
dem Gesetze logisch ableitbar und voraussehbar ist. 
1 Vgl. hierzu das in Nr. 7 über Faktoren (Teilursachen) und Bedingungen 
Gesagte. Die potentielle Energie und das Wegziehen der Unterlage sind 
danach für den Fall des Steines gleicherweise erforderliche Faktoren der 
Ursache, ebenso die chemische Energie der Kohle und das Verfeuern im 
Ofen.
        

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