Bauhaus-Universität Weimar

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29. Kausalität in der unorganischen Natur 
einer Art, sie sind Kausalgesetze, die das Denken vom Antecedens 
zum Consequens hinüberleiten. 
Man kann hiernach den Wirkungssatz als ein Korollar des 
Ursachengesetzes bezeichnen, sofern unter diesem Ausdruck ein 
Satz verstanden wird, der in einem Hauptsatz implicite schon ent¬ 
halten ist oder daraus fließt, aber noch besonders eingeschärft zu 
werden verdient. 
4. Gleiche Ursachen - gleiche Wirkungen 
Dieser Satz ist gleichfalls nur ein Korollar des Kausalgesetzes, 
genauer gesagt, seines ersten Korollares, des Wirkungsgesetzes. 
Denn wenn auf jedes Geschehen a ein anderes Geschehen ß folgt, 
das mit ihm durch eine gesetzliche Beziehung verbunden ist, dann 
kann nicht ebensowohl ein y oder ô folgen. Die Wirkung ist also 
immer eindeutig bestimmt oder determiniert. Nur wenn der 
Begriff des Gesetzes oder der Notwendigkeit selbst eine laxere, 
weitere Form erhält, wird auch diese Folgerung entsprechend um¬ 
geformt werden müssen. Hiervon später. 
So, wie der Satz im Leben angewandt wird, ist die Gleichheit 
wesentlich nur qualitativ zu verstehen. Wir wissen: wenn wir ein 
schwedisches Zündhölzchen an der Zündfläche reiben, gibt es 
Feuer. Tritt die Wirkung einmal nicht ein, so war die Zündfläche 
feucht oder sonstwie die Ursache gegen früher verändert. Wir 
wissen auch, daß die Reibung mit einer gewissen Intensität erfolgen 
muß, pflegen aber die quantitativen Beziehungen nicht zu be¬ 
achten, da wir die Operation genügend ,,im Griffe“ haben. In 
dieser qualitativen Form bewährt sich uns der Satz auf Schritt 
und Tritt, und gerade die Ausnahmen tragen, indem sie sich regel¬ 
mäßig als nur scheinbar erweisen, nicht am wenigsten zur Bestäti¬ 
gung bei. Aber der Satz beansprucht, wie er im Leben verstanden 
wird, keine absolute, mathematische Genauigkeit. 
Im Gebrauch der Physik dagegen hat der Satz außer der qua¬ 
litativen auch eine quantitative Bedeutung. Wir meinen, daß einer 
quantitativ bestimmten Ursache unweigerlich eine auch quanti¬ 
tativ bestimmte Wirkung folgen müsse ; und wir gründen auf diese 
Überzeugung unsere Voraussagungen. Es ist das Prinzip von der 
Gleichförmigkeit des Naturlaufes oder der völligen De¬ 
termination der physikalischen Ereignisse. 
Hierbei ist aber zu beachten, daß uns ein quantitativ gleicher 
Fall wie der gegenwärtige gar nicht vorgekommen zu sein braucht.
        

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