Bauhaus-Universität Weimar

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§ 29. Kausalität in der unorganischen Natur 
alltäglichen Vorstellungen und Begriffe von Raum- und Zeit¬ 
strecken dadurch umgestürzt werden. Diese alltäglichen Gebrauchs - 
Vorstellungen bedürfen überhaupt keiner Korrektur. 
§ 29. Kausalität in der unorganischen Natur 
1. Vorbemerkung 
In der für die ganze Weltanschauung entscheidenden Frage 
nach dem Wesen und dem Gesetz der Kausalität ist es nützlich 
und sogar notwendig, die Frage nicht sogleich für alle Zonen des 
menschlichen Denkens und Wissens zu stellen, sondern sich zuerst 
auf das Gebiet der Naturwissenschaften und in diesem wieder auf 
das der Physik zu beschränken, die die schärfsten Fragestellungen 
und das ausgiebigste und relativ spruchreifste Material zu ihrer 
Beantwortung darbietet, und dann erst die übrigen Bezirke des 
menschlichen Wissens ins Auge zu fassen, in welchen von Kausalität 
die Rede ist. Es soll damit nicht behauptet sein, daß der Begriff 
oder das Gesetz in den verschiedenen Gebieten einen verschiedenen 
Sinn oder Sicherungsgrad besitze. 
Über den Ursprung und ursprünglichen Sinn des Ursach- 
begriffes bemerkten wir einiges in § 4, fügten aber hinzu, daß er 
seine weitere Aus- und Umgestaltung erst im Zuge der wissen¬ 
schaftlichen Diskussionen in den einzelnen Gebieten empfange. 
Diese Aus- und Umgestaltung erfährt der wissenschaftliche Kausal¬ 
begriff, wie alle künstlich gebildeten, den Erklärungsbedürfnissen 
angepaßten Begriffe, in jahrhundertelanger Arbeit, in der die 
Forschung nicht nur eine Fülle sachlicher Kenntnisse geliefert, 
sondern auch das geistige Werkzeug ihrer Arbeit, ihre allgemein¬ 
sten Begriffe immer feiner geschliffen hat. Wir werden sehen, daß 
der naturwissenschaftliche Kausalbegriff sich auf diesem Wege 
sehr weit von seinem ursprünglichen Sinn entfernt hat, während 
der psychologische und soziale diesem näher geblieben sind. 
Zwischen Begriff und Urteil, Name und Satz ist, wie wir 
wissen, prinzipiell ein scharfer Unterschied. Aber man kann bei 
Begriffen, die aus wissenschaftlichen Bedürfnissen allmählich ge¬ 
bildet worden sind, den Inhalt der Begriffe aus dem der Urteile 
oder Sätze, in denen sie Vorkommen, entnehmen. Wir treten daher 
sogleich an die Untersuchung des Kausalgesetzes heran, wie es 
in der Physik verstanden wird bzw. verstanden werden muß.
        

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