Bauhaus-Universität Weimar

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27. Die Zeit 
Seinsform ist charakterisiert durch die Vereinigung der Merkmale 
„eindimensionales Kontinuum“ und ,,Träger der Relation Früher- 
Später“, eventuell auch der „Beziehung auf ein absolutes Jetzt“. 
So führt jeder Definitionsversuch und jede der ontologischen 
Kategorien, die benutzt werden mögen, schließlich auf die näm¬ 
lichen Wesensmerkmale, durch welche der gewählte Gattungsname 
näher bestimmt werden muß, um sich mit dem zu Definierenden 
zu decken. 
7. Die Zeit als vierte Raumdimension 
Seit H. Minkowskis Vortrag auf der Naturforscherversamm¬ 
lung 1908 („Raum und Zeit“, selbständig erschienen 1909) und 
seinen berühmten Worten: ,,Von Stund an sollen Raum für sich 
und Zeit für sich völlig zu Schatten herabsinken, und nur noch 
eine Art Union der beiden soll Selbständigkeit bewahren“, ist es 
unter den Physikern vielfach üblich geworden, die Zeit als vierte 
Dimension des Raumes zu bezeichnen und zu behandeln. 
Minkowskis Neuerungen ermöglichten es, den Berechnungen unter 
Voraussetzung der speziellen Relativitätstheorie eine besonders 
übersichtliche Form zu geben, bei der die Kinematik als eine An¬ 
wendungsform vier dimensionaler Geometrie erscheint. 
Nun sind Zeit und Raum auch in allen früheren, zumal den 
philosophischen Untersuchungen immer in engster Verbindung mit¬ 
einander behandelt worden. Insbesondere hat man die räumliche 
und die zeitliche Lokalisation nur in Verbindung miteinander als 
,, Individuationsprinzip“, d. h. als dasjenige bezeichnet, was 
Individuen, die in jeder sonstigen Beziehung einander gleich sind, 
noch für unsere Erkenntnis voneinander scheidet. Daß daher 
Minkowski einen ,,Weltpunkt“ nur dann für eindeutig definiert er¬ 
klärt, wenn außer seinem Ort auch seine Zeit angegeben wird, 
würden wir an sich nicht als eine neue These betrachten. Immer 
hat man erkannt, daß es keinen Ort gibt außer in einer Zeit und 
keine Zeit (wenigstens im physischen Gebiete) außer an einem Orte. 
Andererseits ist aber auch für Minkowski die Zeitkoordinate 
nicht schlechtweg homogen den drei Raumkoordinaten. Diese sind 
in den Formeln durch x, y, z ausgedrückt, die Zeit durch: et y — 1, 
den Raum als Form der körperlichen Wirklichkeit bezeichnet. Denn er 
wird nicht leugnen, daß zeitliche Eigenschaften auch von der Körper-weit 
mit Recht und nicht etwa bloß in metaphorischem, sondern im eigentlichen 
Sinne ausgesagt werden.
        

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