Bauhaus-Universität Weimar

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§ 26. Der Raum 
bewegter Körper, auf den keinerlei Kraft einwirkt, sich durch 
den leeren Raum in aller Ewigkeit in gleicher Richtung und Ge¬ 
schwindigkeit weiter bewegen muß, so ist von seiten der Raum¬ 
theorie dagegen sicherlich nichts einzuwenden, nachdem wir zum 
euklidischen Raume zurückgekehrt sind. Der immer weiter be¬ 
wegte Körper würde dann eben fortwährend neue mögliche Räume 
verwirklichen. Leere Räume in diesem Sinne können natürlich 
nicht anschaulich vorgestellt werden, obgleich uns ein solcher, 
ständen wir davor, als dunkles Sehfeld erscheinen würde. Sie sind 
als bloße Möglichkeiten räumlicher Bestimmungen rein abstrakte 
Gedankendinge, sozusagen abstrakt in der zweiten Potenz, da der 
objektive Raum selbst schon ein Abstraktum ist. 
Mit alledem ist aber noch nicht gesagt, daß zwingende 
Gründe vorlägen, absolut leere Räume in diesem Sinne innerhalb 
oder außerhalb der Welt zu postulieren. Es sollten nur apriorische 
oder logische Bedenken gegen eine solche Annahme weggeräumt 
und ihr positiver Sinn erläutert werden. Die Entwicklung der 
gegenwärtigen Physik scheint aber dahin zu weisen, daß zwar 
relativ leere Räume im Zusammenhänge der Außenweltshypo¬ 
these unentbehrlich sind, d. h. solche, die von keiner Materie im 
gewöhnlichen Sinne ausgefüllt werden, daß aber die letzten Teil¬ 
chen nicht durch absolut leere Räume getrennt sind, da die Nahe¬ 
wirkung, auf welche sowohl die Physik als die Naturphilosophie 
sich immer mehr hingewiesen sieht, ein Medium verlangt, das 
zwar körperlich, aber nicht allen Gesetzlichkeiten der gewöhn¬ 
lichen Materie unterworfen ist (Äther). Hiervon wird noch im 
Paragraphen über Kausalität (§ 29) zu sprechen sein. 
So schließen wir diese Betrachtungen über den Raum der 
Außenweltshypothese mit dem Ergebnis, daß die wesentlichen 
Merkmale des Raumbegriffes, wie er den großen Physikern vom 
17. bis zum 19. Jahrhundert vorschwebte, auch weiterhin fest¬ 
gehalten werden können, wenn nur die besprochenen Merkmale 
richtig verstanden werden. Auf eine Eigenschaft freilich, welche 
von Newton dem Raume zuerkannt wurde aber nicht in unserer 
Aufzählung S. 609 genannt ist, nämlich die Absolutheit der räum¬ 
lichen Bestimmungen, muß verzichtet werden. Darauf werden 
wir aber erst im Zusammenhänge mit dem Bewegungsbegriffe 
näher zu sprechen kommen.
        

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