Bauhaus-Universität Weimar

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§ 26. Der Raum 
wie die Gottheit, so auch ihr „lebendiges Kleid“ von allen räum¬ 
lichen und zeitlichen Schranken frei zu wissen, erheben sich gegen 
einen endlichen Raum und eine endliche Zeit rein Verstandes - 
mäßig naheliegende Einwürfe, die bereits von den Scholastikern, 
besonders den Spätscholastikern, eingehend diskutiert wurden. 
Die Grenzfläche eines solchen Raumes wäre eine Fläche, die nur 
auf ihrer einen Seite an Raum grenzte, was der absoluten Homo- 
geneität des Raumes, die doch auch von der nicht-euklidischen 
Geometrie festgehalten wird, direkt widerspricht. Kein Punkt, 
keine Linie und keine Fläche des objektiven Raumes kann vor 
den übrigen ausgezeichnet sein. 
Auf solchen Erwägungen beruhte es wohl, wenn ein Astronom 
wie Hugo Seeliger, dessen Schüler Schwarzschild die Ein¬ 
führung eines endlichen Raumes so warm begrüßte, dieselbe An¬ 
nahme in einer feierlichen Sitzung der Münchener Akademie als 
eine „begriffliche Mißgeburt“ verwarf* 1. Die Ursache einer 
so scharfen Ablehnung aus solchem Munde wird man doch nicht 
wohl in bloßen liebgewordenen Denkgewohnheiten suchen dürfen. 
Hier liegen also schwere Aporien vor, die auch den Erkenntnis¬ 
theoretiker zu weiteren Überlegungen drängen. 
g. Das Weltall als dreidimensionale Oberfläche in einem 
vierdimensionalen euklidischen Raum 
Versuchen wir es zunächst mit einer Modifikation des 
Riemannschen Grundgedankens. Das, was an seiner Kon¬ 
zeption eines räumlichen Krümmungsmaßes so gewiegten Mathe¬ 
matikern wie Seeliger anstößig erscheinen konnte, war die Über¬ 
tragung des Krümmungsbegriffes, der für flächenhafte Raum- 
gebilde definiert war, auf den Raum selbst. Es könnte näher¬ 
liegend erscheinen, den Begriff auf dreidimensionale Raum¬ 
gebilde, also auf Körper zu übertragen. In der Tat muß auch 
der Gedanke eines Körpers von verschiedenem Krümmungsmaß 
und eines infolge positiver konstanter Krümmung in sich zu- 
gesetzen ableiten läßt. Allerdings kann auch selbst das Unendliche nach 
den Prinzipien der Mengenlehre zahlenmäßig noch in verschiedenen Ab¬ 
stufungen auftreten. Nur bei dem unendlichfach Unendlichen würde die Frage 
nach dem Warum wegfallen, vorausgesetzt, daß seine Existenz bewiesen 
werden kann. 
1 H. S eeliger, Eröffnungsansprache am 28. 6. 1922, in: Jahrbuch 
der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1922/23, S. 11.
        

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