Bauhaus-Universität Weimar

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§ 25. Die Hypothese der Außenwelt 
konzentrierteste Aufmerksamkeit auf bestimmte Sinneserscheinungen und 
Bewegungen erfordern, stellen sich mir in Träumen Nachempfindungen der 
betreffenden Art ein, die durch beständige Wiederholung gleicher Folgen 
lästig werden. 
10. Konklusion 
Hat sich nun gezeigt, daß jede der anderen möglichen Hypo¬ 
thesen zur Erklärung des Ablaufes der Sinneserscheinungen, wie er 
sich in einem individuellen Bewußtsein vollzieht, sogleich beim 
ersten Versuch einer Durchführung in die Außenweltshypothese 
übergeht, so ist dem Bayesschen Prinzip auf eine eigentümliche 
Weise Genüge getan: es gibt, genau zugesehen, überhaupt 
nur diese eine Hypothese neben der des Zufalls. Nur 
zwischen diesen beiden ist die Wahl. 
Es ist daher auch die oben berührte und verschobene Frage 
nach der vorgängigen Wahrscheinlichkeit der möglichen Hypo¬ 
thesen sehr vereinfacht, ja wir können sie ohne Schaden offen lassen. 
Denn wie gering man auch die vorgängige Wahrscheinlichkeit da¬ 
für einschätzen mag, daß eine Außenwelt in dem oben definierten 
Sinne bestehe und unseren Sinnesempfindungen zugrunde liege : sie 
ist keinesfalls unendlich klein, solange der Begriff so weit genommen 
wird und nicht bestimmte speziellere Züge in die Definition aufge¬ 
nommen werden. Die Unterschiede des Erklärungswertes aber sind 
so überwältigend, daß die etwaigen Unterschiede der vorgängigen 
Wahrscheinlichkeiten beider Hypothesen dagegen verschwinden. 
Denkbar im Sinne der logischen Widerspruchslosigkeit ist es 
nach wie vor, daß das Zutreffen aller Voraussagungen, in der Wissen¬ 
schaft wie im Leben, die auf die Außenweltshypothese gegründet 
sind, auch das Zutreffen genauester quantitativer Voraussagungen 
bloßer Zufall wäre. Aber der Wahrscheinlichkeitsbruch für diese 
Annahme sinkt unter jede zahlenmäßig auszudenkende Grenze. 
Will man auch hier die Schlußform, um die es sich bei diesen 
Überlegungen handelt, in dem gewohnten logischen Schematismus 
ausdrücken, so ergibt sich die Formel: 
1. Der Verlauf unserer Sinneserscheinungen hat sich in un¬ 
zähligen Fällen aus Gesetzen, welche die Grundhypothese der 
realen Außenwelt einschließen, erklären oder Voraussagen lassen. 
2. Daß diese Übereinstimmung zahlloser Fälle zufällig wäre, 
hat die unausdenkbar kleine Wahrscheinlichkeit p. 
3. Also besteht die unausdenkbar große Wahrscheinlichkeit 
1—P für die Wahrheit der Grundhypothese.
        

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