Bauhaus-Universität Weimar

3. Abgekürzte Induktion von Kausalgesetzen 
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mehr auf die sauberste Durchführung der Versuche und die nüchternste Beob¬ 
achtung an, die sich durch keine anderen Vorschriften als die in der exakten 
Naturforschung gültigen und erprobten einengen lassen darf. Eben hieran 
aber dürfte noch vieles fehlen. 
3. Abgekürzte Induktion von Kausalgesetzen 
Auf dem gegenwärtigen Stande der Erkenntnis bedienen wir 
uns zur induktiven Erschließung von Kausalgesetzen (hier auch 
kürzer als Kausalinduktion bezeichnet) in den meisten und wich¬ 
tigsten Fällen nicht des allgemeinen und ursprünglichen Schemas, 
sondern eines abgekürzten Verfahrens, das aber das allgemeine 
Kausalgesetz bereits als Prämisse voraussetzt. 
Auch hier hat Poisson richtig gesehen. Er bemerkt, daß für 
den Schluß von beobachteten Tatsachen auf ihre Verursachung 
und ihre Wiederkehr unter gleichen Umständen keineswegs immer 
eine große Anzahl von Beobachtungen erforderlich sei, da die 
Wahrscheinlichkeit eines Gesetzes unter Umständen schon bei 
wenigen Fällen sehr groß werden könne. ,,Als z. B. Oersted die 
Entdeckung machte, daß, wenn er die beiden Pole einer Volta¬ 
schen Säule mittels eines Metalldrahtes in Verbindung setzte, 
eine in der Nähe des Voltaschen Schließungskreises frei aufge- 
hängte Magnetnadel aus ihrer natürlichen Richtung abgelenkt 
wurde, war dieser berühmte Physiker ohne Zweifel schon nach 
wenigen Wiederholungen dieses Versuches überzeugt, daß diese 
Erscheinung auch in Zukunft immer stattfinden werde.“ 
So ist es aber nicht in einem einzelnen Beispiel, sondern fast 
bei allen Entdeckungen von Kausalgesetzlichkeiten durch experi¬ 
mentelle Forschung. Wenn der Chemiker einen bisher unzerlegten 
Stoff unter genau definierten Umständen in zwei Bestandteile 
zerlegt hat, so braucht er nur so viele Wiederholungen, als nötig 
sind, um sich zu vergewissern, daß unter den in Betracht kommen¬ 
den Umständen (Reinlichkeit der Gefäße, Temperatur, Druck usw.) 
kein wesentlicher übersehen wurde. Dann kann er sofort sagen, 
daß jedes beliebige Exemplar desselben Stoffes unter gleichen 
Umständen in diese beiden Stoffe zerfallen werde. 
Poisson bemerkt dann nicht minder richtig, daß die Folge- 
n-f 1 
regel 7~o zu einem solchen Schlüsse nicht hinreicht, findet 
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vielmehr dessen Rechtfertigung darin, daß die Annahme einer 
notwendig wirkenden Ursache schon durch die Überein¬ 
stumpf, Erkenntnislehre. Bd. II. 36
        

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