Bauhaus-Universität Weimar

2. Allgemeinste u. ursprünglichste Form der Induktion von Gesetzen 541 
die W eines bestimmten, sondern die irgendeines Gesetzes. 
Die nähere Bestimmung erheischt hinzukommende Überlegungen, 
und diese können eine geringere W ergeben. 
Will man den Schluß unter eine der von der alten Logik 
überlieferten Schlußform bringen, so gehört er nicht unter die 
kategorischen Schlüsse, für welche die bekannten Schlußfiguren 
gelten, sondern unter die ,,kategorisch-hypothetischen4 ‘, da die 
erste Prämisse kategorisch, die zweite aber, unter dem Gesichts¬ 
punkte der ,,Relation“ betrachtet, hypothetisch ist: Wenn m 
Tatsachen in diesem Grade der Auffälligkeit übereinstimmen, so 
ist die W ihrer zufälligen Übereinstimmung = p. Das Schema 
heißt also: ,,A ist. Wenn A ist, so ist B. Also ist B“, d. h. es 
besteht die W = p des Zufalls. Die W = 1 — p für das Gegenteil 
folgt dann durch Äquivalenz (§ 20. 2). 
In diesem Sinne hat bereits Poisson1 den Induktionsschluß 
aufgefaßt, wobei er mit großem Nachdruck gegen Hume die 
Unentbehrlichkeit des Begriffes der Naturnotwendigkeit im 
strengen Sinne her vor hob. Er ist der einzige, der den im Grunde 
so einfachen Gedankengang genau formuliert hat2. Nur unter¬ 
scheidet er nicht die beiden Unterfälle: Gesetz und konkrete 
gemeinschaftliche Ursache. 
1 S. D. Poisson, Lehrbuch der Wahrscheinlichkeitsrechnung und 
deren wichtigsten Anwendungen. Deutsch bearb. von C. H. Schnuse. 
Braunschweig 1841, S. 131. 
2 Brentano gab eine Anzahl von Induktionsformeln an, die mir zu 
künstlich und nicht als Ausdruck des wirklichen Gedankenganges erscheinen. 
Je von s hat eindringlich auf die Bedeutung der Bayesschen Regel für die 
Induktionstheorie hingewiesen („No one can possibly understand the prin¬ 
ciples of inductive reasoning, unless he will take the trouble to master the 
meaning of this rule, by which we recede from an event to the probability of 
each of its possible causes“, 1. c. p. 243). Aber er unterscheidet, wie allerdings 
auch Poisson, nicht genügend zwischen dem Schluß auf konkrete Ursachen 
und auf Gesetze. Erst gegen das Ende seiner Ausführungen (p. 259) sieht er 
n -{- 1 
sich anläßlich der Regel —und des Beispieles vom Sonnenaufgang, in 
dem diese Regel so vollständig versagt, auf die „general laws of nature“ und 
ihre Unterstellung unter die W-Schlüsse geführt. 
Das mathematische Detail der Poissonschen Formulierung können wir 
hier beiseite lassen. Merkwürdig ist übrigens, daß er Hume als einen „be¬ 
rühmten englischen Historiker“ einführt, wonach dessen „Geschichte Eng¬ 
lands“ damals in diesen Kreisen noch bekannter gewesen zu sein scheint als 
seine philosophischen Arbeiten.
        

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