Bauhaus-Universität Weimar

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Die Gesetze des Strebens. 
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setzliclie ist ein solches, das durch das Individuum selbst ins Da¬ 
sein gerufen werden kann; die Vorstellung des Entsetzlichen ist 
die Vorstellung einer eigenen entsetzlichen That. Dann kann es ge¬ 
schehen, dass die That vollbracht wird aus keinem anderen Grunde, 
als weil sie entsetzlich ist. Nicht ihr Thäter eigentlich that sie, 
aber ein psychologischer Zwang in ihm lässt sie ihn thun. — 
Damit ist zugleich gesagt, dass ich im Vorstehenden nicht vom 
aktiven Streben redete, sondern der Unterschied der Aktivität 
und Passivität einstweilen ausser Betracht blieb. 
Die Entstehung des Strebens nach Wirklichkeit 
überhaupt. — Reden wir aber zunächst wiederum allgemeiner. 
Jede Vorstellung ist die Vorstellung eines an sich möglichen „Gegen¬ 
standes“. Darin liegt ihre objektive Seite. Jede Vorstellung 
ist aber zugleich meine Vorstellung dieses Gegenstandes. Sie 
ist dies Geschehen in mir oder dies aus mir stammende Geschehen. 
Sie ist das durch mich, d. h. den gegenwärtigen psychischen Lebens¬ 
zusammenhang bedingte „subjektive Erlebnis“. Und insofern ist. 
die Tendenz des Gegenstandes, wirklich zu erscheinen, zugleich 
meine Tendenz, dass der Gegenstand mir wirklich erscheine. Dies 
heisst: Wie alles Vorstellbare an sich denkbar oder objektiv 
möglich, so ist auch alles Vorstellbare an sich erstrebbar oder 
„subjektiv“ möglich, d. h. es liegt in ihm an sich betrachtet die 
„Tendenz“, erstrebt zu werden. 
Diese Tendenz müsste, wenn sie frei sich auswirken könnte, 
zur Wirklichkeit werden; d. h. jeder vorgestellte Gegenstand ist 
an sich Gegenstand des Strebens, oder es liegt in ihm, erstrebter 
Gegenstand zu sein. Aber nun gibt es für jede Vorstellung 
Gegenvorstellungen. Der Vorstellung, dass ich mich bewege, steht 
gegenüber die Vorstellung, dass ich ruhe; der Vorstellung, dass 
irgend etwas in der Welt geschehe, die Vorstellung, dass es unter¬ 
bleibe, oder etwas geschehe, das damit sich nicht verträgt. Und 
auch die Gegenstände dieser Vorstellungen sind an sich Gegen¬ 
stände des Strebens. 
Damit ist der Sachverhalt gegeben, der bereits früher so be¬ 
zeichnet wurde: Die einander entgegenstehenden Strebungen heben 
sich auf oder gleichen sich gegen einander aus. Sie wirken Zu¬ 
schriften d. Ges. f. psychol. Forsch. H. 13. 31
        

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