Bauhaus-Universität Weimar

Die Gesetze des Strebens. 
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Standes und ihrer Gegentendenzen. Falls dies Gleichgewicht besteht, 
können die objektiven Tendenzen, unter Voraussetzung der zusammen¬ 
fassenden Betrachtung oder der apperceptiven Vereinheitlichung 
der „Gegenstände“ oder der „Gründe“, für das Bewusstsein sich 
wechselseitig ausgleichen, d. h. die Wirklichkeitstendenz des Gegen¬ 
standes einer Vorstellung und die Wirklichkeitstendenz der Gegen¬ 
stände der Gegenvorstellungen können zum Bewusstsein der Indiffe¬ 
renz oder der blossen „objektiven Möglichkeit“ sich vereinigen. 
Damit ist schon angedeutet, welche neue Frage wir jetzt zu 
stellen haben. Es ist die Frage — nicht mehr nach dem Be¬ 
wusstsein der Giltigkeit der Forderungen oder dem Bewusstseins¬ 
resultat ihres Gegensatzes, sondern nach der psychischen 
Wirkung der objektiven Tendenzen. 
Nehmen wir jetzt wiederum an, der Wirklichkeitstendenz 
eines vorgestellten Gegenstandes stehen Gegentendenzen gegenüber, 
der Art, dass — nicht jene diese aufsaugt, oder irgendwie in mir 
ausser Aktion setzt. Sondern: — Jene Tendenz und diese Gegen¬ 
tendenzen seien als solche da und in Kraft. Beide Tendenzen 
halten sich das Gleichgewicht; d.h. jeder Gegenstand fordere eben¬ 
sowohl als wirklich, wie als nicht wirklich zu erscheinen. Er 
sei also nur ein „möglicher“ Gegenstand, und könne demgemäss 
auch in diesem Lichte erscheinen. 
Dann müssen wir bedenken: Die objektiven Tendenzen oder 
die Forderungen des Gegenstandes sind doch notwendig zugleich 
subjektive Erlebnisse. Oder zunächst : Das Dasein des 
Gegenstandes ist ein solches. Dasselbe besteht in der Weise, wie der 
Gegenstand in den psychologischen Lebenszusammenhang auf- 
genommen ist. Der Gegenstand ist eben doch in mir nur als 
vor gestellter. Seine Vorstellung aber ist ein psychisches Ge¬ 
schehen. Sie ist ein Bestandteil des gegenwärtigen psychischen 
Lebenszusammenhanges. Sie ist also auch notwendig durch ihn 
mit bestimmt. Und sie ist andererseits ein in ihm wirk¬ 
samer Faktor. Sie wirkt hin auf die E r f ü 11 u n g der Forde- 
rung oder auf die Verwirklichung der Tendenz. Für diese Wirkung 
ist die Gegentendenz eine Hemmung. Damit wird die objek¬ 
tive Tendenz zur Wirkung eines psychischen Geschehens gegen 
eine Hemmung, kurz zum „subjektiven“ Streben.
        

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