Bauhaus-Universität Weimar

Strebungsgefühle. 
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ich doch nicht sagen, dass ich mich jemals, eine messbare 
Zeit hindurch, absolut nur zuständlich, an einem und dem¬ 
selben Gegenstände in gleicher Weise haftend, in einer inneren 
Daseins weise verharrend, kurz vollkommen unbewegt fühle. Das 
psychische Lehen ist immer in Bewegung. So fühle ich auch 
immer „mich“ in Bewegung. Aber dies schliesst doch einen 
relativen Gegensatz der blossen Zuständlichkeit und der Be¬ 
wegung nicht aus. Und es schliesst in jedem Falle nicht aus, 
dass ich, auch im Zustand der lebhaftesten Bewegung, doch in 
jedem einzelnen Moment notwendig innerlich irgendwo und 
irgendwie hin und mich fühle, so wie auch der bewegte 
Körper in jedem Momente der Bewegung irgendwo ist; dass wir 
also theoretisch in jedem Falle das Moment der Zuständlichkeit 
und das der Bewegung des Ich unterscheiden müssen. 
Das Gefühl des Strebe ns. — Die Zuständlichkeit oder 
das Dasein an einem Punkte, das hier wie gesagt nicht räumlich, 
sondern lediglich qualitativ gemeint ist, kann nun aber wiederum 
verschiedener Art sein. Ich fühle mich das eine Mal mehr oder 
minder einfach bei einer Sache, fühle mich irgendwo, oder 
irgendwie bestimmt, und beruhige mich dabei. Ein ander¬ 
mal fühle ich mich von dem Punkte aus, in dem ich mich inner¬ 
lich befinde, oder von meiner gegenwärtigen inneren Daseinsweise 
aus, abzielend, hinzielend auf etwas Anderes. 
Dieses Gefühl des Abzielens oder Hinzielens trägt ver¬ 
schiedene Namen. Wir nennen es Streben, Begehren, Ver¬ 
langen, Erwrarten, Sehnen, sich Besinnen, Wollen, Fürchten, Hoffen. 
Der neutralste dieser Ausdrücke, oder derjenige, der am meisten 
das Gemeinsame dessen bezeichnet, was den Sinn dieser Ausdrücke 
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ausmacht, ist wohl der Ausdruck „Streben“. Diesen Ausdruck 
dürfen wir also an die Stelle der Worte Zielen oder Abzielen 
oder Hinzielen setzen. Damit ist zugleich gesagt, dass in diesem 
Zusammenhänge mit dem Worte Streben jedes beliebige von uns 
unmittelbar erlebte Abzielen bezeichnet ist. welcher besondere 
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Name auch im gegebenen einzelnen Falle als der spezieller ge¬ 
eignete erscheinen mag. 
Ein gleichartiger Gegensatz, wie der des in sich beruhigten 
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