Bauhaus-Universität Weimar

Die objektiven Werte und das Sollen. 
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Ästhetische Werte. — Wie die ethischen, so sind auch 
die ästhetischen Werte objektive. Im Übrigen unterscheiden sie 
sich von den ethischen — nicht ihrem Inhalte, wohl aber ' 
ihrer Betrachtung nach. Alles ästhetisch Wertvolle ist an sich 
ein ethisch Wertvolles, d. h. es hat zum Inhalt, durch welchen 
es ästhetisch wertvoll ist, allemal ein Positives der menschlichen 
Persönlichkeit, oder etwas, das zum Menschsein einen positiven 
Beitrag liefert ; eine Weise seines positiven Sichbethätigens oder 
Sichauswirkens. 
Aber der Gegenstand der ästhetischen Betrachtung ist immer nur 
ein Ideelles, für die Phantasie Gegebenes, während der Gegenstand 
der ethischen Betrachtung und Bewertung ein Wirkliches oder in 
der Welt zu Verwirklichendes ist, Und die ästhetische Betrachtung 
isolirt ihren Gegenstand, löst ihn insbesondere heraus aus allem 
Wirklichkeitszusammenhang, während die ethische Betrachtung 
ihren Gegenstand in den Wirklichkeitszusammenhang hineinstellt 
und im Zusammenhang mit allen möglichen Gegenständen des 
Wertens, die in der Welt verwirklicht werden können, wertet. 
Das hier zuletzt Gesagte drücke ich schliesslich nur anders 
aus, wenn ich sage: In der ethischen Bewertung ist das Wertende 
das ganze ideale Ich; dies fasst ja seiner Natur nach alle mög¬ 
lichen Gegenstände des Wertens in sich zusammen und macht sie 
zu einer in sich gesetzmässigen Einheit, Dagegen ist das Ich, 
das in der ästhetischen Wertung wertet, nicht das ganze ideale 
Ich. sondern ein Teil desselben, nämlich dasjenige ideale Ich, das 
in dem zu bewertenden Gegenstand ein Spiegelbild seiner selbst 
und seines freien Sichauswirkens findet. Und was dies ideale Ich 
hier wertet, das ist eben dies Spiegelbild seiner selbst oder seines 
Sichauswirkens. Das ideale Ich wertet also in der ästhetischen 
Betrachtung sich selbst und sein Sichauswirken in diesem 
Spiegel. Es ist im reinen ästhetischen Genuss über das gegen¬ 
wärtige reale Ich hinausgehoben. 
Objektive Freiheit. — Dass ich im ästhetischen Objekte 
mich selbst finde, dass ich mich selbst auslebe in demjenigen, was 
im ästhetischen Objekte an mich herantritt, dies bedingt das Ge¬ 
fühl der ästhetischen Freiheit. Eine analoge Freiheit gibt es 
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