Bauhaus-Universität Weimar

Die objektiven Werte und das Sollen. 
185 
571] 
wenn das gegenwärtige Urteil in dem Sichaneinan derm essen der 
gegenwärtigen Tliatsache und des Gesetzes sich behauptet. 
So nun kann es auch geschehen, dass ein gegenwärtiges 
Wollen und Thun in mir sich behauptet in seinem Gegensätze zu 
dem, was die einheitliche Persönlichkeit, so wie sie sich bisher 
ausgebildet hat, fordert. Und indem sie sich behauptet und mit 
dieser einheitlichen Persönlichkeit sich vereinheitlicht, korrigiert 
sie die Forderungen der einheitlichen Persönlichkeit und damit 
diese selbst. — Wie man sieht, ist damit nichts Anderes bezeichnet 
als der Weg, auf dem von Hause aus die einheitliche Persönlich¬ 
keit entsteht, und auf dem sie im Laufe unseres Lebens zur end¬ 
gültigen Persönlichkeit wird oder einer solchen sich nähert. Dieser 
Weg führt notwendig durch beständige Korrekturen hindurch. 
Von „dem“ Gesetze der Persönlichkeit, das in der einheit¬ 
lichen Persönlichkeit repräsentiert sei, habe ich hier immer ge¬ 
sprochen. In der That ist es wie das Gesetz der Natur ein System 
von Gesetzen. Besondere Gesetze sind allgemeineren untergeordnet. 
Und die besonderen verhalten sich zu den allgemeineren wie die 
einzelnen Wollungen zu den ersteren. Aus den besonderen er¬ 
wachsen die allgemeineren, und wiederum gehen jene aus diesen 
hervor oder gehen diese in jene auseinander. Die einzelnen ein 
Gebiet des Wollens beherrschenden Gesetze können ivir Grundsätze 
oder Maximen nennen. Dabei denke ich nicht an Grundsätze, 
von denen ich ein Bewusstsein habe, sondern die ich habe, 
d. h. die in mir bestehen als wirksame Kräfte. 
Und diese Grundsätze oder Maximen können umgestaltet 
werden. Vielmehr sie entstehen überhaupt in fortwährender Um¬ 
gestaltung. Dies heisst nichts Anderes, als sie entstehen aus der 
Wechselwirkung des Wollens und Thuns der verschiedenen Momente 
meiner Persönlichkeit. Und die ganze einheitliche Persön¬ 
lichkeit entsteht auf diesem Wege. 
Diese einheitliche Persönlichkeit oder das einheitliche Ich, 
das zu den Ichen der einzelnen Momente sich verhält wie das 
Gesetz zu den einzelnen Thatsachenurteilen, trägt auch wohl die 
Namen Gewissen oder praktische Vernunft. Kant stellt dem Gesetz 
derselben oder dem reinen Willen gegenüber die Triebfedern des 
Momentes, d. h. die in der Natur der einzelnen Momentpersönlich-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.