Bauhaus-Universität Weimar

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VIII. Kapitel. 
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friedigt“ zugleich Bedingungen eines Lustgefühles. Das 
Bekannte ist ja für mich ein Bekanntes, weil seine Wahrnehmung 
die Disposition zu einem gleichartigen psychischen Vorgang in 
mir lebendig macht und diese Disposition die Apperception des 
Bekannten erleichtert. Und die Befriedigung der Erwartung ist 
das Eintreten dessen, was durch die Erwartung „vorbereitet“ 
ist, oder auf dessen Apperception die Erwartung hinwirkt. Und 
Gleichartiges gilt von der Befriedigung des Besinnens und jedes 
Strebens überhaupt. 
Dies schliesst doch, wie schon gesagt, nicht aus, dass im 
einzelnen Falle die Bekanntheit oder die Befriedigung Gegenstand 
eines ausgeprägten Unlustgefühls ist. Es ist notwendig so, 
wenn ich in dem Bekannten ein mir Unangenehmes wiederum 
antreffe, oder wenn dasjenige, worauf die Erwartung oder das 
Besinnen gerichtet ist, an sich ein Gegenstand der LTnlust ist. 
Umgekehrt sind die Bedingungen des Schrecks, der Über¬ 
raschung, der Enttäuschung, an sich Bedingungen der Unlust. 
Dies hindert doch wiederum nicht, dass Schreck und Überraschung 
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freudiger Schreck bezw. freudige Überraschung sein können, 
und die Enttäuschung als angenehme Enttäuschung sich er¬ 
weisen kann. Auch hier kann eben durch die Lust am Gegen¬ 
stände die Unlust an der Störung, Hemmung, Durchkreuzung des 
naturgemässen Vorstellungsablaufes, aus welcher die fraglichen 
Gefühle sich ergeben, in ihr Gegenteil verkehrt werden. 
Dem Gefühle der Befriedigung stellte ich soeben gegenüber 
das Gefühl der Enttäuschung. Aber es steht jenem Gefühl ausser¬ 
dem eine Zweizahl von Gefühlen gegenüber, die wiederum zu ein¬ 
ander in Gegensatz stehen; nämlich einmal das Gefühl des un- 
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befriedigten Verlangens, zum anderen das Gefühl des Überdrusses. 
Beide sind Unlustgefühle, aber beide sind wiederum nicht gegen¬ 
ständliche Unlustgefühle. Das erstere ist das Gefühl der Unlust 
an der Thatsaclie, dass das Erwartete oder der Gegenstand des 
Strebens. der in sich selbst höchst wertvoll sein kann, nicht sich 
einstellt oder noch nicht sich eingestellt hat. Es ist das 
Gefühl des Gegensatzes zwischen der Erwartung oder dem Streben 
und dem thatsächlichen psychischen Erleben. Es ist das Unlust¬ 
gefühl der ungelösten Spannung, nämlich der Ungelöstheit der
        

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