Bauhaus-Universität Weimar

Quantitäts- und Wertgefühle. 
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wächst mit der Grösse der Verschiedenheit — nicht unbedingt 
und ohne Grenze, aber soweit das Verschiedene zugleich unbe¬ 
schadet seiner Verschiedenheit als eine qualitative Einheit sich 
darstellt. 
Ein analoges Gesetz gilt auch für die intellektuale Lust, 
Auch das durch Erfahrungsassociation Vereinheitlichte erleidet 
Einbusse an psychischer Grösse, Quantität, Eindrucksfähigkeit, 
demnach an Lustwert, wenn die Vereinheitlichung allzusehr sich 
steigert. Es besitzt auch hier der mindere Grad der Vereinheit¬ 
lichung lusterhaltende Kraft, D. h. : Nicht dann entsteht die höchste 
intellektuale Lust, wenn dasjenige, was ich zusammen finde, genau 
so, wie es mir jetzt gegeben ist, in der Erfahrung sich zusammen¬ 
fand und immer wiederum zusammengefunden hat, wenn also das 
Zusammen eben dieser Elemente mir erfahrungsgemäss absolut 
geläufig, oder selbstverständlich geworden ist, sondern wenn ich 
Solches zusammenfinde, das noch nicht in der Erfahrung zu¬ 
sammen gegeben war, aber doch nach Gesetzen der Erfahrung zu¬ 
sammen gehört, also mir verständlich wird; wenn immer Anderes 
und Anderes den gleichen Gesetzen der Erfahrung untergeordnet oder 
durch die gleichen Gesetze der Erfahrung zur erfahrungsgemässen 
Einheit verknüpft ist. In solchen Fällen vereinigt sich eben auch hier 
Beides: Es wird mir durch das Neue eine Aufgabe, oder es wird 
an mich ein „Anspruch“ gestellt. Ich habe etwas zu leisten, 
nämlich dasjenige in eine Einheit zusammenzuschliessen, das noch 
nicht zur Einheit zusammengeschlossen wTar. Und zugleich ver¬ 
mag ich dies doch ohne Widerspruch, vermöge des Gesetzes, das 
auf die Vereinheitlichung hinweist. 
Lustgesetz der Differenzierung. — Aber auch das 
Gesetz der Verschiedenheit in der Einheitlichkeit leidet noch an 
Unbestimmtheit. Es erfährt eine genauere Bestimmung, wenn 
wir beachten, dass der Tendenz der Einheitsapperception eine ent¬ 
gegengesetzte, darum nicht minder in der Natur der Seele be¬ 
gründete Tendenz gegenübersteht. Es ist dies die Tendenz der 
„M e h r h e i t s a p p e r c e p t i o n“, d. h. die Tendenz der gesonderten 
Auffassung des Einzelnen : Es entspricht der Natur der Seele, wo 
ihr ein Mannigfaltiges gegeben ist, einerseits zwar dies Mannig-
        

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