Bauhaus-Universität Weimar

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VI. Kapitel. 
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Bewusstsein rufen könne. Auch hier müsste dann gesagt werden : 
Ein auf Vorstellung des Namens gerichtetes Wollen, oder mit 
einem Worte ein Besinnen auf den Namen, ist nur möglich, so¬ 
weit diese Erwartung in mir entstehen kann. Dieselbe kann aber 
jederzeit in mir entstehen, wenn ich den Namen thatsächlich gehört, 
und nicht etwa wiederum ganz und gar vergessen habe. 
Noch ein möglicher Einwand gegen den Satz, das Wollen sei 
das Streben mit dem Bewusstsein, dass ich etwas „dazu thun“ 
könne, ist zu berücksichtigen. Ich sage etwa: Ich „will“ in 
14 Tagen eine Reise machen. Zugleich ist mir vollkommen be¬ 
wusst, dass ich jetzt die Reise unmöglich machen kann. Indessen 
um ein Wollen, die Reise jetzt zu machen, handelt es sich hier 
ja auch nicht. Das fragliche Wollen ist ein Wollen unter einer 
Bedingung, nämlich der Bedingung, dass eine bestimmte Zeit ab¬ 
gelaufen ist. Und es ist ein Wollen mit dem Bewusstsein, dass 
dann allerdings das Gewollte durch mich verwirklicht werden 
könne. Es ist ein Streben, in dessen Natur es liegt, zum eigent¬ 
lichen Wollen zu werden, wenn diese Bedingung des Wollens er¬ 
füllt ist, und es ist ein Bewusstsein von diesem Sachverhalt. Es 
ist jetzt noch nicht ein fertiges Wollen, sondern, an sich und 
von diesem Bewusstsein abgesehen, ein blosses Wünschen. 
Das Wollen als Thun. Das Anstrengungsgefühl. 
— Umgekehrt ist ein wirkliches oder fertiges Wollen jederzeit 
ein solches, das auf ein mögliches g e g e n w ä r t i g durch 
mich zu vollbringendes Geschehen gerichtet ist. Kurz gesagt: 
Das fertige Wollen ist ein Wollen eines als möglich gedachten 
gegenwärtigen Thuns. Es ist ein Streben, das nicht auf einen 
von mir verschiedenen Gegenstand beschränkt bleibt, sondern von 
da aus weiter auf mein Thun sich erstreckt. Es ist ein zu einem 
solchen Thun fortgehendes Streben. Was dies heisst, liegt 
im vorhin Gesagten. Will ich den Arm bewegen, so strebe ich 
nicht nur nach der Wahrnehmung dieser Bewegung, sondern ich 
erwarte sie, d. h. es wird nicht nur die in der Vorstellung des 
Wahrnehmbaren als solcher liegenden objektiven Tendenz in Wahr¬ 
nehmung sich umzuwandeln, in mir wdrksam, sondern es wird zu¬ 
gleich in mir wirksam die erfahrungsgemässe objektive Tendenz
        

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