Bauhaus-Universität Weimar

Associativ bedingte Gefühle und Strebungen. 
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Interessen, ja es ist das spezifisch subjektive Interesse. Sondern es 
muss ein Wertinteresse sein, das durch die objektiven Tendenzen 
oder Forderungen oder in ihnen unmittelbar gegeben ist. 
Ein solches Interesse nun ist enthalten im Widerstreit der 
objektiven Forderungen. Solcher Widerstreit, der logische Wider¬ 
streit oder Widerspruch, ist rein objektiv bedingt, sofern er eben 
Widerstreit der objektiven Forderungen ist. Er ist zu¬ 
gleich ein subjektiver Thatbestand, sofern das gleichzeitige Zu¬ 
sammentreffen der Forderungen in mir ihn bedingt. Der Wider¬ 
spruch ist objektiv unmöglich. Er besteht nur als diese sub¬ 
jektive Thatsache. Und dieser Widerspruch schliesst ein positives 
Wertinteresse in sich, nämlich das Interesse an seiner Lösung. 
Wie jeder Widerstreit, so trägt auch dieser Widerstreit die Ten¬ 
denz seiner Lösung unmittelbar in sich. Sein Dasein widerspricht, 
seine Aufhebung entspricht der Natur der Seele Und dass ein 
Geschehen der „Natur der Seele“ entspricht, dies ist ja, wie wir 
noch genauer sehen werden, eben dasjenige, worin das positive 
Wertinteresse jederzeit besteht. 
Dies Streben der Lösung des Widerstreites der objektiven 
Forderungen ist nun das zugleich subjektive und doch durchaus 
objektiv bedingte Streben, das wir hier suchen. Es ist das Er¬ 
kenntnisstreben oder das „logische Streben“. Sein Ziel ist das 
Wissen, oder das Bewusstsein einer objektiven Forderung, die 
mit keinem Widerspruch mehr behaftet, oder in welcher der 
Widerspruch überwunden ist. Umgekehrt ist alles Erkenntnis¬ 
streben ein solches Streben nach Lösung eines Widerspruches und 
hat in jenem Interesse an der Lösung eines Widerspruches sein 
„Motiv“. Der Widerspruch ist die treibende Kraft in aller unserer 
„Thätigkeit“ des Erkennens. 
Dieser Widerspruch tritt auf in verschiedener Gestalt. Er 
kann bestehen im Widerstreit der objektiven Tendenz eines Gegen¬ 
standes als wirklich und der Tendenz desselben Gegenstandes als 
nicht wirklich zu erscheinen, oder er kann bestehen im Wider¬ 
streit der objektiven associativen Forderungen. Jede Frage 
schliesst einen solchen Widerstreit und ebendamit zugleich die 
Tendenz der Lösung desselben in sich. Umgekehrt kann jedes 
Streben aus dem logischen Widerstreit heraus, also jedes auf Er- 
Schriften d. Ges. f. psychol. Forsch. H. 13. 33
        

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