Bauhaus-Universität Weimar

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Y. Kapitel. 
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Gegenstandes oder der Gegenstände, noch auch die Forderung 
des vorgestellten Gegenstandes ein wahrgenommener zu sein, noch 
endlich die blosse Forderung des Beachtetwerdens, sondern die 
Forderung der Verknüpfung, der Hinzufügung, der bestimmt ge¬ 
arteten Zuordnung. 
Diese objektive Forderung der Verknüpfung ist eine erfah- 
fahrungsgemässe. Neben diese müssen wir nun aber sogleich stellen 
eine andere, im übrigen vollkommen gleichartige Forderung der 
Verknüpfung, die nicht auf Erfahrung beruht. Ich meine die 
objektive Forderung der Verknüpfung, die ihren Grund hat in 
einer Gesetzmässigkeit unseres Vorstellens. Nicht nur 
das Denken des Physikers, sondern auch dasjenige des Geometers 
ist ein Verknüpfen mit dem Charakter der Objektivität. Aber 
bei dem letzteren hat dieser Charakter der Objektivität nicht in 
der Erfahrung seinen Grund, sondern in der Gesetzmässigkeit 
unserer Raumanschauung. Demgemäss hat auch im geometrischen 
Urteile nur die Verknüpfung den Objektivitätscharakter. Es 
gehört nicht zum geometrischen Urteil, dass auch das Verknüpfte 
ihn habe. 
Dies müssen wir etwas genauer bestimmen. Gehen wir dabei 
aus vom physikalischen Urteile. In ihm fordert nicht ein vor¬ 
gestellter Gegenstand die Hinzufügung eines anderen und die 
Einfügung dieses in ein bestimmt geartetes Ganzes mit jenem, 
sondern, was die Forderung stellt, ist ein Wirkliches. Von dem 
als wirklich gedachten Gegenstand geht die objektive Forderung aus, 
einen anderen Gegenstand mit ihm in ein bestimmt geartetes Ganze 
zu verflechten, und nun also dies Ganze als wirklich zu denken. 
Oder: — Die Forderung des Gegenstandes als wirklich gedacht zu 
werden schliesst zugleich die Forderung in sich, einen anderen 
Gegenstand mit ihm in bestimmter Weise in eine apperceptive 
Einheit, oder in ein Ganzes zusammen zu nehmen und demgemäss 
dies Ganze als Ganzes anzuerkennen, d. h. als wirklich zu denken. 
Dagegen ist beim geometrischen Urteile ein vorgestellter, 
also ein nur möglicher Gegenstand, gleichgiltig ob er zugleich 
Wirklichkeit hat, der Träger der objektiven Forderung. Und die 
Forderung zielt ab wiederum auf die Zuordnung eines vor¬ 
gestellten Gegenstandes. So fordert in dem Urteil. „Der Himmel
        

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