Bauhaus-Universität Weimar

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Associativ bedingte Gefühle und Strebungen. 
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vorbereitet, so entsteht das Gefühl der Komik. Doch davon wird 
noch zu reden sein. 
Jedes der hier genannten Gefühle schliesst zugleich die Mög¬ 
lichkeit unendlich vielfacher Abstufungen in sich, nicht nur quan¬ 
titativer, sondern auch qualitativer Art. 
• • 
Die Gefühle der Überraschung, des Staunens, des Schrecks 
sind spezifische Apperceptionsgefühle, in dem Sinne, dass sie ent¬ 
stehen aus dem Verhältnis zwischen dem Anspruch eines psychi¬ 
schen Vorganges appercipiert zu werden, und den Bedingungen 
für die Erfüllung dieses Anspruches, die in dem gegenwärtigen 
psychischen Lebenslauf bezw. in den innerhalb desselben wirk¬ 
samen Associationen gegeben sind. Sie sind associativ bedingte 
Apperceptionsgefühle. 
• • 
Ähnlichkeit und Verschiedenheit. — Daneben treten 
nun wiederum andere verwandte Gefühle, die noch in einem spezielleren 
Sinne Apperceptionsgefühle heissen müssen. Das Gesetz der Associa- 
• • 
tion, das in ihnen wirkt, ist speziell das Gesetz der Ahnlichkeits- 
associatiom Dies Gesetz ist, allgemein gesagt, ein Gesetz der quali¬ 
tativen Einheitlichkeit des psychischen Geschehens; sowie das Gesetz 
der Erfahrungsassociation ein Gesetz der empirischen Einheitlich¬ 
keit des psychischen Geschehens ist, d. h. ein Gesetz des Fortganges 
am Leitfaden der Einheit, welche die Erfahrung geknüpft hat. 
• f 
Dem Gesetze der Ahnlichkeitsassociation zufolge besteht in der 
« • 
Seele die Tendenz des Fortganges zu Ähnlichem. Genauer gesagt ist 
sie eine Tendenz des Fortganges zu Gleichem: Die Tendenz des 
Fortganges zu Ähnlichem besteht nur, sofern das Ähnliche ein 
Gleiches ist. Und schliesslich ist diese Tendenz nichts Anderes 
als eine Tendenz der Beharrung der Seele in der Bethätigungs- 
weise, in der sie begriffen ist. 
Nehmen wir nun an, ein Gegenstand sei appercipiert, und ich 
gehe von da fort zur Apperception eines anderen Gegenstandes, 
so fordert jenes Gesetz, dass ich in der Apperception des zweiten 
Gegenstandes bei eben dem inhaltlich bestimmten Apperceptions- 
akte verbleiben könne, den ich vorher vollzog. Jetzt fragt es 
sich, wie sich der zweite Gegenstand zu dieser Forderung oder 
genauer zu dieser Tendenz verhält. Jenachdem entstehen andere
        

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