Bauhaus-Universität Weimar

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V, Kapitel. 
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psychischen Leben genügende Anknüpfungspunkte finden; derart, 
dass sie in den psychischen Lebenszusammenhang ohne starken 
Widerstand desselben aufgenommen werden können. 
Neben dieser Möglichkeit besteht nun aber auch die ent¬ 
gegengesetzte Möglichkeit, dass Wahrnehmungen unvorbereitet 
kommen und Aufnahme in den psychischen Lebenszusammenhang 
verlangen. Hieraus entsteht dann ein Gefühl der Nötigung, das 
ganz allgemein als Passivitätsgefühl zu bezeichnen ist, das aber 
je nach Umständen als ein so oder so charakterisiertes 
Passivitätsgefühl sich darstellt. 
Das fragliche Gefühl ist etwa ein Gefühl der „Über¬ 
raschung“. Es ist dies dann, wenn in dem Passivitätsgefühl 
das Moment der Fremdheit oder der qualitativen Gegensätzlich¬ 
keit zwischen einem Erlebnis und solchen psychischen Gescheh¬ 
nissen, auf welche der psychische Lebensablauf jetzt gerade hin- 
zielt, überwiegt. Es ist ein Gefühl des Staunens, wenn wir 
durch die Wirkung der Associationen nicht auf das Grosse vor¬ 
bereitet sind, das sich uns darbietet. Es ist ein Gefühl des 
Schrecks, wenn die Plötzlichkeit des Zwanges, einen Gegen¬ 
stand zu appercipieren, also die Plötzlichkeit des Zusammentreffens 
eines psychischen Vorganges, der die Aufmerksamkeit fordert, 
einerseits, und des psychischen Lebensablaufes, der keine oder ge¬ 
ringe Bereitschaft zu solchem Appercipieren in sich schliesst, 
andererseits, das Charakteristische ist. 
Mit allen diesen Namen sind eigenartige Gefühle bezeichnet. 
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Insbesondere sind Überraschung, Staunen, Schreck nicht etwa an 
sich Lust- oder Unlustgefühle. Sie sind vielmehr Gefühle, 
die je nachdem lust- oder unlustgefärbt sein können und eben 
damit als von beiden verschieden sich aus weisen. Es gibt eine 
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positive, d. h. lustvolle, und eine negative, d. h. unlustvolle Über¬ 
raschung. Es gibt ein Erstaunen über Erfreuliches und über Un¬ 
erfreuliches. Und es gibt einen freudigen und einen unangenehmen 
Schreck. 
Noch weitere Gefühle müssen aber hier angereiht werden. Dem 
Erstaunlichen, oder wie wir auch sagen können, dem überraschend 
Grossen steht das überraschend Kleine entgegen. Ist dies seiner 
Qualität nach vorbereitet, und nur seiner Quantität nach un-
        

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